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Am 28. März 2006 hat also die Raumordnungsbehörde, die aus ihrer Sicht konfliktärmste Variante der A39 vorgestellt und für eine mächtige Überraschung in Lüneburg gesorgt. Nicht wegen des östlichen Verlaufs, sondern wegen der Anbindung an die A250 über das Stadtgebiet. Vorbei in vielleicht 120 Metern am historischen Kloster Lüne, am Kindergarten Lüne, an der Grundschule Lüne, den Meisterweg hoch und schliesslich, zwischen dem Neubaugebiet am Loewe-Center und dem Schlieffenpark wieder hinauf auf die Ostumgehung. Auch wir hatten diese Anbindung in unserem möglichen Variantenspektrum, sie aber erst in den letzten Wochen ernsthaft in Erwägung gezogen. Im Rahmen der Planung der Ostumgehung war sie vor langen Jahren von einem Planer ‘Herrn Fischer’ entworfen worden, wir wollen sie in Zukunft Fischerlinie nennen.

Waren die Lüneburger Politiker wirklich alle so überrascht? Eine Veranstaltung im Lims jagte die andere, die Politiker aller Parteien geben sich zur Zeit im Bereich Lüne die Klinke in die Hand und sind entrüstet über diese Variante der A39. Trotz aller Überparteilichkeit der Aktion Lebensberg sei hier einmal Andreas Meihsies zitiert, dass der OB jetzt die Geister hat, die er rief. Recht hat er! Alle Politiker der SPD/CDU und FDP betonen jetzt unisono, dass diese Variante eine Katastrophe für Lüneburg darstellt und sie sich dagegen einsetzen werden. Die Stadt Lüneburg hat eine Arbeitsgruppe ROV eingesetzt und mal eben 50 -100 000 Euro für diverse Gutachten ins Rennen gebracht. Unser OB, als großer Befürworter der A39, tritt plötzlich als Retter Lüneburgs auf. Merken Sie etwas? Wir befinden uns im Vorwahlkampf. Diese Erfahrung hat auch die Aktion Lebensberg bereits im Landtagswahlkampf 2003 erlebt. Bis zum 1. Februar 2003 waren die Politiker aller Parteien auf dem Ebensberg / im Lims Dauergäste, ab dem 2. Februar war erst einmal für lange Monate niemand mehr zu sehen. Zur Zeit werden die Stimmen erkämpft. Ab dem 10. September 2006 wird wieder Ruhe einkehren, die Schlacht ist geschlagen. Aus unserer Zitatesammlung:

… werden unter anderem die Repräsentanten der regionalen Wirtschaft, des öffentlichen Lebens sowie die Bundes- und Landtagsabgeordneten aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass das Projekt in die höchste Stufe des nächsten BVWPs aufgenommen wird. [Es wird] der Landkreis aufgefordert, eine stadtnahe Trasse für den Anschluss an die A 250 zu suchen.
[Resolution Lüneburger Stadtrat, aus LZ, 31.07.2002]

 

Auf einmal zeigen alle mit dem Finger zu den Hamstern in den Westen und zu den Molchen in den Norden. Liebe politischen Befürworter der A39, Sie machen sich das hier ein bisschen zu einfach und vergessen, dass an den anderen Varianten auch Menschen leben, die der Stadt Lüneburg zugeneigt sind. Die in Lüneburg einkaufen, arbeiten, ihre Freizeit erleben. Fassen Sie sich lieber an die eigene Nase! Sie setzen sich seit Jahren für den Bau der A39 ein und suggerieren den Menschen, dass sie uns wirtschaftliche Vorteile bringe. Weitere Zitate:

Wer das Ergebnis vor der Entscheidung in Berlin torpediert, muss sich bewusst sein, dass er gegen die wirtschaftliche Entwicklung der Region angeht.
[OB Mädge, LZ, 1.03.2003] und ein besonders interessantes Zitat, Glückwunsch Herr Althusmann:

Es ist ein Projekt, das Arbeitsplätze schafft und für die Verkehrsentlastung auch in Lüneburg sorgt.
[Bernd Althusmann (CDU-Landtagsabgeordneter), LZ, 23.01.2003]

Interessant auch für unseren OB, wenn er sich beschwert, nur drei Monate Zeit für die Stellungnahme der Stadt zu haben. Wir Bürger haben übrigens nur sechs Wochen Zeit!

Wir haben daraufhin die Initiative ergriffen, um Herrn Bundesverkehrsminister Dr. Stolpe zu ermuntern, das Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz, das für die neuen Bundesländer gilt, auch auf die alten Bundesländer Deutschlands auszudehnen.
[IHK Lüneburg-Wolfsburg, Bezirksregierung Lüneburg, Stadt Lüneburg, Arbeitgeberverband des Regierungsbezirks Lüneburg, Handelskammer Lüneburg-Stade, an den Verkehrsminister, 2003]

Gegen den Bundestrend wird der Region Lüneburg inzwischen in vielen Studien ein großes Bevölkerungswachstum prognostiziert. Dies liegt an unserer Nähe zur wachsenden Metropolregion Hamburg. Die Menschen dort suchen ein erschwingliches Plätzchen im Grünen, um ihr Haus im Grünen zu bauen und dort ihre Kinder aufwachsen zu lassen! Nachdem die Menschen seit zwei Jahren nicht mehr wissen, ob sie in den Osten oder Westen Lüneburgs ziehen können, hat die Ungewissheit jetzt auch die Stadtmitte erreicht. Es droht ein auf lange Jahre andauernder Stillstand in der Entwicklung Lüneburgs. Für alle Befürworter der A39 wollen wir hier exemplarisch OB Mädge, MdL Althusmann und MdB Wegener entsprechend für ihre ‘weise und vorausschauende’ Politik pro A39 würdigen. Herzlichen Glückwunsch!

Auf einmal wollen alle juristisch gegen die Vorzugsvariante vorgehen. Was heisst denn dass eigentlich?

Die SPD/FDP Stadtratsfraktion will eine Abwägungsklage in Richtung Nord- oder Westvariante anstreben. Sie will nicht gegen das Gesamtprojekt klagen. Die CDU, sagt OB Kanditat Dr. Lürssen, will auch klagen. Das kann sie aber auch aufgrund der parteilichen Ausrichtung nur als Abwägungsklage. Schaut man sich die politische Konstellation in Lüneburg an stellt man fest, dass die CDU die Mehrheit der Ratsfraktion / den Oberbürgermeisterposten nur mit den Stimmen der Grünen wird erobern können. Würden die Grünen sich in einer schwarz/grünen Koalition sich auf eine Abwägungsklage in den Westen einlassen? Die Antwort werden Sie kennen.

Die Politiker wollten die Frage der Vorzugsvariante auf die Planer abwälzen und ihre Hände in Unschuld waschen. Diese Strategie ist nicht aufgegangen. Die Landesbehörde für Verkehr und Straßenbau hat sich auf dieses Spielchen nicht eingelassen und die Verantwortung an die Politiker zurückdelegiert.

Die Aktion Lebensberg fordert die Politiker Mädge, Althusmann und Wegener hiermit auf, dem Spuk der Planung der A39 politisch ein Ende zu bereiten, damit es mit der Entwicklung Lüneburgs weitergehen kann!

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