Pressedienst LüneburgMädge: Autobahn-Trasse im Osten ist inakzeptabel(sp) Lüneburg. Am Dienstagvormittag verkündete die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Vorzugstrasse für die Autobahn 39. Für Lüneburg sehen die Pläne eine Umgehung im Osten vor. „Diese Trasse über Stadtgebiet ist für das Oberzentrum Lüneburg vollkommen inakzeptabel“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. In einer Presseinformation beschreibt die Regierungsvertretung Lüneburg den Verlauf der Vorzugsvariante in Lüneburg: Von der Anschlussstelle Handorf verläuft sie auf der bestehenden A250 bis zur Anschlussstelle Lüneburg-Nord. Ab hier nutzt sie zunächst die Trasse der bestehenden B4. Nach Querung der Ilmenau verlässt die A39 die B-4-Trasse für ein kurzes Teilstück und verläuft östlich der Kläranlage. Danach führt sie nördlich des Klosters Lüne unter der Bahnstrecke Lüneburg-Lauenburg hindurch und verläuft zwischen Hagen und Moorfeld zurück zur bestehenden Trasse der B4. Dann biegt die Trasse nördlich der Anschlussstelle Stadtkoppel wieder auf die B4 ein. Nördlich der Kreuzung mit der B 216 verlässt die A 39 die B-4-Trasse Richtung Osten, quert die B 216 im Bereich des Gewerbegebietes Neu Hagen und verläuft weiter in südöstlicher Richtung. Zwischen Wendisch Evern und Barendorf überquert die Strecke den Elbe-Seitenkanal. Vollkommen unzufrieden mit dieser Lösung ist Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Drei Gründe nennt Mädge für die Ablehnung der jetzt vorgestellten Trasse. Zuerst das Schutzgut Mensch: „Es kann nicht sein, dass Moore, Feuchtgebiete und Trockenrasen eine größere Bedeutung haben als die Menschen in Moorfeld und Neu Hagen“, so Mädge. Die Trasse führt eng an Wohngebieten vorbei und schneidet den Stadtteil Ebensberg von Lüneburg ab. Mädges zweiter Kritikpunkt: „Die Vorzugstrasse beschneidet empfindlich die Stadtentwicklung.“ Die geplante Autobahn führt direkt am Kloster Lüne vorbei, das ein wichtiger Faktor bei der Bewerbung Lüneburgs um den Status als Weltkulturerbe ist. Im Osten der Stadt liegen außerdem die wenigen Flächen, auf denen sich die wachsende Stadt Lüneburg weiterentwickeln kann. Nicht nur künftige Projekte für stadtnahe Entwicklung am Bilmer Berg werden durch die Autobahn beeinträchtigt, sondern auch das neue Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Schlieffen-Kaserne, für 2.000 Einwohner vorgesehen, liegt nach dem jetzt vorgestellten Plan in Sichtweite der Autobahn. Außerdem werden die Kleingartenanlage Am Klosterteich und das Lüner Holz, eine wichtige grüne Lunge für Lüneburg und Naherholungsgebiet, durch die Autobahn zerschnitten. Mädge: „Es kann nicht sein, dass die Zukunftsperspektive und die Entwicklung des Oberzentrums Lüneburg beschädigt werden durch eine Autobahn, die der Region eigentlich positive Impulse bringen sollte.“ Ein weiteres Problem sieht Mädge in der zusätzlichen Belastung für die Ostumgehung der Stadt. Dort fahren schon heute 40.000 Autos am Tag. Nur eine westliche Variante oder eine weiträumige Umfahrung im Norden bringt laut Mädge wesentliche Entlastung für die jetzt schon stark belasteten Anwohner rechts und links der Ostumgehung: „Die Planer der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr haben ausgeführt, dass die Westvariante genauso wirtschaftlich ist wie die jetzt vorgestellte Trasse.“ Ökopunkte und Bodenwertigkeit dürfen eine für Lüneburg sinnvolle Streckenführung im Westen unter Beachtung der hohen deutschen Umweltstandards nicht verhindern. Die Vorstellung der Vorzugstrasse ist Teil des Raumordnungsverfahrens, das vom Niedersächsischen Ministerium für den Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz jetzt eingeleitet wurde. Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an. Dann werden fachtechnischen Einzelfragen und die Inanspruchnahme einzelner Grundstücke geregelt, erst dann kann auch der Klageweg beschritten werden. Bis zum 30. Juni soll der Rat der Stadt eine Stellungnahme zur Vorzugstrasse abgeben. „Das ist eine Zumutung: Nachdem das Land über eineinhalb Jahre gebraucht hat, um die Vorzugstrasse vorzustellen, soll die direkt betroffene Stadt Lüneburg innerhalb von drei Monaten eine sachlich fundierte Stellungnahme abgeben“, so Mädge. Offensichtlich wolle das Land Druck ausüben. Die Stadt werde sich davon aber nicht beeindrucken lassen und ihr ganzes Gewicht einsetzen, um die jetzt vorgestellte Route zu verhindern: „Ich bin mir sicher, dass der Rat der Stadt Lüneburg geschlossen politisch Druck ausüben wird, um eine für Lüneburg positive Lösung zu erreichen.“ Für den Fall, dass dieser Druck nicht genügt, hat die Stadtverwaltung schon vorgesorgt. Die Anwaltskanzlei „Rüping, Karoff und Kollegen“ aus Hannover, erfahren im Planungsrecht, wird die Stadt rechtlich beraten. |