Quelle: Gifhorner Rundschau, 7. September 2007

“Die A 39 ist ein Nullsummenspiel”

Podiumsdiskussion gestern Abend zur A 39 im Knesebecker Hof – “Gesellschaft will schnell von A nach B”

Von Barbara Benstem

KNESEBECK. "Eine Gemeinde gewinnt durch die A 39 vielleicht, eine andere verliert. Es kommt bestenfalls zu Mikroeffekten, keinesfalls zu den erhofften großen Vorteilen. Die A 39 ist ein Nullsummenspiel."

Keinen Zweifel ließ Peter Pez gestern Abend im "Knesebecker Hof" an seiner Meinung zur A 39. Aus verkehrspolitischer Sicht widmete sich der Professor der Universität Lüneburg den Effekten, die der Bau der A 39 im Landkreis Gifhorn mit sich bringen soll. Es werde allenfalls zur Verlagerung von Arbeitsplätzen, keinesfalls zur großen wirtschaftlichen Belebung der Region kommen, warnte Pez. Neben dem Wissenschaftler stellten sich auch Busunternehmerin Edith Bischof, Politiker Hans-Jürgen Schindler (SPD) und Detlef Gieseler ("Keine A 39 – Lüne-Moorfeld") sowie Eva Grezky (Wiederbelebung der Osthannoverschen Eisenbahn) der Diskussion. Moderiert wurde die Runde von Journalistin Christina Rudert.

Heftige Kritik musste Busunternehmerin Edith Bischof einstecken. Die Tourismusexpertin hatte sich zuvor für die A 39 ausgesprochen, weil sie Kurzurlauber in den Landkreis bringe. "Die Leute wollen heute nicht mehr so lange im Bus sitzen und wir haben viele attraktive Ziele in unserem Landkreis. Auf einer Autobahn währen sie viel schneller bei uns." Aus dem Publikum wurde der Firmenchefin vorgeworfen, dass sie dabei das Wohl ihres eigenen Unternehmens vor Augen habe und zudem nachfolgenden Generationen Milliarden an Schulden hinterließe, die der Autobahnbau verursache. Sie denke, hielt Bischof dagegen, an die gesamte Hotellerie, den Einzelhandel und alle touristischen Angebote. Nicole Wockenfuß, Grünenpolitikerin aus Gifhorn erklärte, dass der Autobahnbau ohnehin in weiter Ferne liege und man nicht wisse, ob es das Unternehmen der Wesendorferin dann noch gebe.

Hans-Jürgen Schindler begründete sein Plädoyer für die A 39 damit, dass eine wirtschaftliche Belebung der Region unabdingbar sei. "1400 Jugendliche sind ohne Ausbildungsplatz. Und die heutige Gesellschaft will nun mal schnell von A nach B. Die Bahn ist dabei keine Alternative, sie will Gewinn einfahren und kann sich Strecken, die sie, wie bei uns, bezuschussen muss, nicht leisten." Ohnehin, so der Politiker, entstünden durch die Spurrillen, die schwere Lkw auf den Kreis- und Bundesstraßen hinterließen, für Autofahrer lebensgefährliche Situationen. "Lkw gehören auf die Autobahn, dass sich die Bahn vom Güterverkehr verabschiedet hat, wissen wir." Detlef Giesler nutzte den Diskussionsabend, um die Aktivitäten seiner Bürgerinitiative vorzustellen. Motto der Lüneburger Protestbewegung gegen den Autobahnbau. "Wir klären auf, verhüten musst du."

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