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Quelle: Hamburger Abendblatt, 26. Februar 2007 “Schluss mit der Ostseeromantik”Fehmarnbelt-Querung – Institut: Kein Bau keine KatastropheWirtschaftsexperte: Statt einer teuren Brücke braucht der Norden den Ausbau der A 20 mit Elbquerung. Kiel - Schleswig-Holsteins Wirtschaft braucht nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) keine Fehmarnbelt-Querung. Diese Auffassung vertritt der Globalisierungsexperte vom IfW, Klaus Schrader, in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Der Handel mit Skandinavien sollte zwar gepflegt werden, doch die Hauptabsatzmärkte für Unternehmen lägen in Süd- und Westeuropa. So sollte für den wirtschaftlichen Aufschwung unter anderem der Ausbau der A 20 oberste Priorität haben. Er verstehe daher die deutsche Zurückhaltung bei den Verhandlungen mit Dänemark, bei denen es in erster Linie um staatliche Garantien geht. "Die Zeit der Ostseeromantik ist ohnehin vorbei." Der Kieler Experte rechnete vor, dass der Ostseeraum weniger als drei Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwirtschaftet, während der Welt-BIP-Anteil im Südwesten Europas rund 17 Prozent beträgt. "Dort liegen die wichtigen Märkte. Die Infrastruktur muss so ausgerichtet sein." Der Ausbau der A 20 mit der Elbquerung sei ökonomisch interessanter als eine Fehmarnbelt-Querung. "Dauern die A-20-Diskussionen noch 20 Jahre, werden Unternehmen eventuell abwandern." Die Brücke sei zwar optisch, aber eben nicht ökonomisch imposant. "Es ist ein Jahrhundertprojekt. Aber kein Bau ist auch keine Katastrophe", meinte Schrader. Es gebe eine Fährverbindung, die nur effektiver werden müsse. "Wenn die Investoren auf staatliche Garantien verzichten, dann sollte die Brücke definitiv gebaut werden. Gibt es eine Absicherung, dann nur mit Deutschland als Juniorpartner." Die deutschen Garantien wären dabei mit 30 Prozent ausreichend bemessen; dies habe die deutsche Seite den Dänen in den Verhandlungen offenkundig auch verdeutlicht. "Von der unromantischen Argumentation in Berlin waren die Dänen wohl überrascht", vermutete der Experte. So stamme die "Ostseeromantik" noch aus den ersten Debatten über den Bau vor rund 15 Jahren. Firmen und die aktuelle Regierung hätten die Bedeutung des Ostseehandels mittlerweile richtig eingeschätzt. Der Handel mit Skandinavien sei überdurchschnittlich hoch und kaum noch zu steigern. "Bei einem Bau folgt eine kurze Brückenkonjunktur, da lokale Zulieferfirmen zunächst profitieren", erklärte Schrader. Errichtet werde das Bauwerk voraussichtlich aber von einem internationalen Konsortium. Das bedeute aber auch kaum neue Arbeitsplätze im Land. Vielmehr seien für eine positive Entwicklung Schleswig-Holsteins neben der A 20 andere Faktoren wichtig: "Das Land muss seine EU-Mittel gut nutzen." Die neuen EU-Konzepte seien innovationsfreundlich. So werde die potenzielle Stärke einer Region gefördert, und genau diese habe das Land unter anderem im Maschinenbau oder in der Medizintechnik. Nach Ansicht von Schrader sollte neben dem Bürokratieabbau der Nachwuchs im Wissenschaftsstandort gefördert werden. Greifen die Maßnahmen, sei der Norden - mit oder ohne Brücke - auf "dem richtigen Weg". dpa |