Quelle: Hamburger Abendblatt, 13. November 2006

Geht der Boom am Hafen vorbei?

Seit 1975 existiert der Industriehafen im Gewerbegebiet "Am Bilmer Strauch" – das Geschäft im Hamburger Hafen boomt, in Lüneburg dagegen scheint der Güterumschlag zu stagnieren. Während in Hamburg im Jahr 2005 allein 125, 7 Millionen Tonnen Container- und Massengut transportiert wurden, brachte man es in Lüneburg auf 170 000 Tonnen.

In Hamburg stößt der Hafen längst an seine Grenzen, Flächen für die Erweiterung werden langsam knapp. Wie stehen in dieser Situation die Chancen für Lüneburg als Ausweichsstandort? "Als Satellitenterminal für den Hamburger Hafen kommt Lüneburg nicht in Frage", meint Jürgen Glaser, Leiter der Clusterentwicklung bei der Wachstumsinitiative Süderelbe AG in Hamburg, die sich auch mit Fragen der Infrastruktur in der Metropolregion beschäftigt. Der Grund: "Lüneburg ist ein Binnenhafen, der hat andere Standortvoraussetzungen."

Das Schiffshebewerk in Scharnebeck vermag Containerschiffe nicht zu befördern – und auch für die neueste Generation der großen Binnenschiffe ist das Hebewerk zu klein. "Niemand fasst eine Ladung auf dem Seeweg zweimal an, um sie ins Hinterland zu bringen." Zu umständlich zu erreichen für Containerware – Lüneburg ist nur tauglich für Massengüter wie Düngemittel oder Getreide. Das Problem sieht auch Klaus Dützmann, Geschäftsführer der Lüneburger Hafen GmbH. Er glaubt aber an Perspektiven: "Vom Boom der Seehäfen profitieren die Binnenhäfen wenig, aber die Ansiedlung von Logistikunternehmen würde die Entwicklung fördern." Bisher ist die OHE allein dafür zuständig, Waren im Hafen umzuschlagen und für ihren Weitertransport auf der Schiene zu sorgen – doch die OHE steht zum Verkauf. Dützmann: "Wir müssen abwarten, ob der neue Eigentümer die Geschäfte weiterführt."

Um Perspektiven für den Hafen zu schaffen, hat die Stadt Flächen am Elbe-Seiten-Kanal gekauft. So lange jedoch der Trassenverlauf der A 39 ungeklärt ist, bleiben auch die Erweiterungsmöglichkeiten ungeklärt. Ein Investor wäre die Lösung, ist aber noch nicht in Sicht: "Es fehlt an Visionen. Wenn an den Konzepten gearbeitet wird, sehe ich Chancen", so Jürgen Glaser.

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