Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 2. November 2006

Bodenteich pfeift auf die Vorzugstrasse

Singvögel in den Seewiesen: Wird die A 39 verlagert?

Von Bernd Klingebiel

Bad Bodenteich. Die Vorzugstrasse der geplanten Autobahn 39 muss im Bereich der Bodenteicher Seewiesen womöglich verschwenkt werden. Dort nisten die schützenswerte Heidelerche und der Ortolan. Bodenteichs Bürgermeister Claus-Dieter Reese: "Das hält die Landesbehörden an, noch mal ganz anders zu planen."

Die in ihren Populationen gefährdeten Singvögel trillern dabei eine Melodie, die die Bad Bodenteicher gern hören. Denn eine Verlagerung der A 39 würde bedeuten, dass die Trasse ganz in ihrem Interesse die Seewiesen nicht zerschneiden, sondern eher am Rande bei Schafwedel und Schmölau verlaufen würde. Reese benennt allerdings auch Verlierer dieser Variante: "Die Schafwedeler wären die Gekniffenen."

Hintergrund ist, dass das Niedersächsische Umweltministerium Nachmeldungen eingeleitet hat, um die EU-Vogelschutzrichtlinie zu erfüllen. Dabei fiel der Blick auch auf die nunmehr vorgeschlagenen Flächen im Gemeindegebiet des Fleckens Bad Bodenteich und in den Gemarkungen Schostorf, Bomke und Häcklingen. Sie sollen die bereits bestehende "Important Bird Area" bei Himbergen ergänzen. In solchen europäischen Vogelschutzgebieten sind alle Maßnahmen verboten, die zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gebietes und seiner Erhaltungsziele führen, regeln die Paragrafen.

Mit dem Vorschlag des Ministeriums sei der "Schutzfaktor faktisch gegeben", heißt es in einem Aktenvermerk des Fleckens. Und weiter: "Die Vorzugsvariante (…) kann so nicht umgesetzt werden." Mitte November soll es beim Landkreis ein Abstimmungsgespräch geben. Wieland Utermark (Stederdorf), ausgewiesener Experte in Sachen Umwelt- und Naturschutz, sieht in der Verordnung allerdings keinen Automatismus: Bevor die A 39 tatsächlich verlagert würde, müsste genau überprüft werden, ob es tatsächlich zu Beeinträchtigungen der Vogelwelt kommt und ob Ausgleichmaßnahmen möglich seien. Erste Konsequenzen hat es wegen Ortolan & Co. dennoch bereits gegeben: Der Landkreis Uelzen habe das Genehmigungsverfahren für den Bau von Windkraftanlagen in Bomke eingestellt, erklärt Claus-Dieter Reese.

Übrigens: Der Ortolan ist ein sperlingsgroßer, eher unscheinbarer Singvogel, etwa 16,5 Zentimeter groß – ein schlanker Typ mit einem relativ kleinen Kopf und einem recht langen Schnabel. Kopf, Vorderbrust und Nacken sind einheitlich olivgrau. Die Heidelerche ist ein etwa spatzengroßer Vogel, auffällig sind die weißen Überaugenstreifen, die im Genick zusammenlaufen. Utermark: "Ortolan und Heidelerche habe ich dort schon singen gehört, die Heidelerche auch gesehen."

www.allgemeine-zeitung-uelzen.de