Quelle: Cellesche Zeitung, 22. August 2006

Celler Wirtschaft hinkt hinterher / „Mehr innovative Firmen ansiedeln”

1,5 Prozent – das ist die magere Steigerung der Bruttowertschöpfung pro Einwohner im Landkreis Celle zwischen 1992 und 2004. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg verliert der gesamte IHK-Bezirk mit einem Plus von 11,5 Prozent den Anschluss an die bundesdeutsche Entwicklung (23,4 Prozent). Die IHK will diese Kennzahl für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht überbewerten, mahnt jedoch an, mehr dafür zu tun, innovative Firmen anzusiedeln.

CELLE. Celle hinkt hinterher, nicht nur dem Bundestrend, sondern auch den anderen Landkreisen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg. Bei der Steigerung der Bruttowertschöpfung zwischen 1992 und 2004 belegt der Landkreis innerhalb des Bezirks nur den vorletzten Platz vor Uelzen.

„Wir verlieren mehr und mehr den Anschluss an die bundesdeutsche Entwicklung”, mahnte der Lüneburger Hauptgeschäftsführer der IHK, Jens Petersen, an. Er befürchtet, dass sich die Schere in der Wirtschaftsentwicklung in Zukunft weiter öffnen könnte, wenn nicht gegengesteuert wird. So setzt Petersen auf die Verbesserung der Infragstruktur, wie den Bau der A39 von Wolfsburg nach Lüneburg, und die Ziel-1-Förderung aus Brüssel.

Mehr Eigenwerbung: Der Celler IHK-Chef Uwe-Peter Becker will die Statistik nicht für sich stehen lassen: „Es ist nur ein Wert für die wirtschaftliche Leistungskraft der Region. Zudem muss man beachten, dass die Bevölkerung zugenommen hat und es konjunkturell von 2003 auf 2004 einen Einbruch gab.” Gleichwohl gelte die Bruttowertschöpfung als Indiz dafür, wie innovativ die Wirtschaft einer Region aufgestellt sei. „Wir haben innovative Betriebe, aber es könnten ruhig noch etwas mehr sein.”

Und Petersen fordert die Stadt auf, noch etwas mehr die Werbetrommel zu rühren. „Celle ist ein guter Standort mit einer soliden Wirtschaft, aber eine Stadt, die Oberzentrum werden will, könnte sich noch etwas mehr bewegen”, so Petersen. Eine Gemeinde, die sich nicht rührt, werde nicht wahrgenommen. Kritik am Marketing der Stadt? Petersen: „Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte.”

„Zahlen nicht überbewerten”: Oberbürgermeister Martin Biermann will die Zahlen zur Bruttowertschöpfung nicht überbewerten. „Der Sachverhalt ist zutreffend, allerdings sagen sie nicht alles über den Standort aus. So hat die Erdölindustrie in den 90er-Jahren schlechte Zeiten erlebt. Im Augenblick ist das Gegenteil der Fall. So sehe ich optimistisch in die Zukunft”, sagte Biermann. Celle habe als Gerichtsstadt oder Standort von Lobetal auch Arbeitsplätze, die sicher sind, aber nicht unbedingt etwas zur Wertschöpfung beitragen.

Gunther Jehle

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