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Quelle: Isenhagener Kreisblatt, 28. Juni 2006 “Ganzer Verkehr durch die Dörfer”Die A 39 gibt es schon – bei Cremlingen / Lärm ohne umfassenden SchutzVon Mandy Hannemann Cremlingen. Die A 39 sorgt für gespaltene Meinungen. Das Planungsverfahren ruft im Gifhorner Nordkreis vor allem die Gegner auf den Plan. Vor rund 35 Jahren war das in der Einheitsgemeinde Cremlingen, westlich von Braunschweig, nicht anders. Viele Jahre lang ist dort die Autobahn abgelehnt worden. Stellungnahmen wurden eingereicht – vor allem von Privatpersonen –, verhindert werden konnte das Projekt jedoch nicht. “Als das klar war, hat sich in der Gemeinde der Standpunkt entwickelt, daraus das beste zu machen”, erinnert sich Bürgermeister Günter Eichenlaub, “auch wenn wir aufgrund unserer Lage zwischen zwei großen Städten diese Strecke gar nicht bräuchten.” Man stellte viele Forderungen: Weil das Gebiet dicht besiedelt ist, sollte der Lärmschutz für die Bürger möglichst umfassend sein. Immerhin sei die Hälfte der rund 13 000 Einwohner vom Lärm betroffen. Der Erfolg blieb aus. Maßnahmen gegen Lärm werden nur soweit ergriffen, wie sie im Bundesemissionsschutzgesetz festgelegt sind. “Selbst der Versuch, die Streckenführung bei Klein Schöppenstedt um 200 Meter in den Wald hinein zu verlegen, ist gescheitert”, erzählt Eichenlaub. Der Erhalt von Eichen sei wichtiger gewesen als die Sicherung der Lebensqualität für die Menschen. Hinzu kommt: Bis zum Schöppenstedter Tor – die erste Anschlussstelle im Cremlinger Gebiet – ist die A39 von und nach Braunschweig bereits befahrbar. Eichenlaub: “Sämtlicher Verkehr von und zur A2 nimmt zurzeit den Weg durch unsere zugehörigen Dörfer.” Das seien gut 18 000 Autos täglich – eine hohe Belastung. Auch deshalb habe der Rat beschlossen, sich für einen schnellen Weiterbau der Fernstraße auszusprechen. Im Herbst soll der Abschnitt bis Cremlingen bereits seinem Zweck übergeben werden. Ende 2008/Anfang 2009 soll die A39 bis zum Autobahnkreuz der A2 befahrbar sein. Dann, so das Ziel, sollen nur noch 3000 Autos täglich durch die Orte fahren. Darüber hinaus aber wird die Einheitsgemeinde mit der fertigen A39 doppelt zerschnitten. Mit einiger Entfernung verläuft parallel zur künftigen Autobahn die ICE-Trasse Braunschweig-Wolfsburg. Immerhin: Hier habe die Bahn AG eine Lärmschutzwand versprochen. Dennoch bleibt die Enttäuschung: Fast alles, was unternommen wurde, um Einfluss auf den Bau zu nehmen, sei gescheitert, berichtet Eichenlaub. Doch den Planern und Behörden macht der CDU-Politiker der Einheitsgemeinde keinen Vorwurf: “Sie sind nur die Ausführenden. Das Problem liegt bei der Politik, die bei ihren gesetzlichen Vorschriften noch einiges zum Schutz der Bürger nachzuholen hätte.” Eichenlaub ist überzeugt: Jeder sollte seine Chance nutzen, sich frühzeitig einzubringen, und auf Problemstellen hinweisen. “Wenn eine Planung erstmal steht, dann ist sie kaum zu kippen. Selbst wenn sie Blödsinn ist.” Bei allen Nachteilen bringe die Autobahn aber auch Entwicklungschancen. Bei derlei Projekten müsse die demografische Entwicklung im Blick bleiben. Autobahnen seien Entwicklungsachsen. Eichenlaub: “Es sind die jungen Menschen und ihre Familien, die Geld in die Gemeinden bringen, nicht der sanfte Tourismus. Doch für sie ist entscheidend, dass sie schnell zur Arbeit kommen. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle.” Ob die A39 weitere Arbeitsplätze bringe, sei allerdings “Glückssache”. |