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Quelle: Hamburger Abendblatt, 26. Juni 2006 Roter Protest gegen die AutobahnLüneburg: Anwohner wollen die Trasse der A 39 nicht. Rot gekleidet machten sich Bewohner der Stadtteile Lüne und Moorfeld auf zur MenschenketteVon Elke Schneefuß Lüneburg – Am Sonnabend morgen um halb zehn ist es geschafft: Lüneburgs Stadtteile Lüne und Moorfeld funkeln rot im Licht der Morgensonne. In rote T-Shirts gekleidete Anwohner formieren sich aus Protest gegen die A 39 zur Menschenkette – dicht an dicht stehen sie an der Erbstorfer Landstraße. Demonstranten aller Altersklassen tragen Transparente und rote Tücher, Flugblätter und Trillerpfeifen. “Mindestens 500 Menschen, vermutlich mehr”, schätzt Mitveranstalterin Gabriele Parnow-Kloth (47), sind gekommen, um ihren Protest gegen die geplante Autobahn durch den Ostteil der Stadt öffentlich zu machen. Wie Ortrud Doll (49), die seit 20 Jahren eine zahnärztliche Praxis in Moorfeld betreibt: “Wir begreifen nicht, wie man uns so etwas zumuten kann”, sagt sie. “Überall werden Ortsumgehungen gebaut und uns legt man die Trasse vor die Haustür.” “Das Geld kann man sinnvoller einsetzen”, meint Claudia Kuchler (44), die seit sieben Jahren mit ihrer Familie in Moorfeld lebt. “Für die Schulen werden dringend Mittel gebraucht, da zahlen wir Eltern schon lange drauf.” Die Furcht vor der Zukunft ist allgegenwärtig: “Wenn die A 39 kommt, will ich hier weg”, sagt Sabine Gade (40). Die Menschen im Viertel haben das Gefühl, einer Sache geopfert zu werden, die für sie keinen Nutzen hat: “Diese Autobahn brauchen nur die Spediteure”, meint Gabriele Parnow-Kloth: “VW baut Arbeitsplätze ab und wir legen denen eine eigene Trasse vor die Werkstür – wozu soll das gut sein?” Fragen, denen sich auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge (56) später auf dem Lüneburger Marktplatz stellen muß. Die Autobahngegner überreichen ihm 5000 Unterschriften gegen die A 39, die sie im Stadtgebiet gesammelt haben. Das sonst so redegewandte Stadtoberhaupt tut sich schwer bei seiner Ansprache an das versammelte Volk – schließlich war Mädge einmal lebhafter Befürworter der Autobahn. Daß sie zur Sicherung von Arbeitsplätzen gebraucht wird, glaubt er noch immer, aber die sogenannte “Vorzugstrasse” will er nicht: “Ich lebe hier genauso gern wie Sie. Eine Autobahn mitten in der Stadt kann ich mir nicht vorstellen.” |