Quelle: Isenhagener Kreisblatt, 7. Juni 2006

“Kein neues Fass aufmachen”

A 27-Verlängerung: Deutliche Absage der CDU / Naturpark als Hindernis?

Von Holger Boden

Wittingen. Noch beherrscht die Debatte um die A 39 das Isenhagener Land – doch wenn es nach dem Willen der Celler Landkreis-FDP geht, wird man möglicherweise bald über eine weitere Fernstraße diskutieren. Die Liberalen aus der Herzogstadt fordern die Verlängerung der A 27 – und zwar bis nach Wittingen. Bislang endet die Autobahn, aus Richtung Bremen kommend, am Dreieck Walsrode, rund 100 Kilometer von Wittingen entfernt. Der Celler FDP-Fraktionsvorsitzende führt für einen Weiterbau in Richtung Osten dieselben Argumente ins Feld, die auch wiederholt für die A 39 ins Spiel gebracht worden waren: “Unser Raum ist einer der größten ohne Autobahnanschluss. Es ist für uns auch eine Frage der Gleichbehandlung der Bürger, dass man für gleiche Lebensverhältnisse sorgt.”

Nach Vorstellung der Celler Liberalen könnte die verlängerte A 27 die Seehäfen Wilhelmshaven und Cuxhaven wie auch die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen mit Osteuropa verbinden. FDP-Fraktionschef Joachim Falkenhagen rechnet zudem mit einer “baldigen Überlastung des deutschen Straßennetzes”.

Welche Chancen hat die Idee, die in Zeiten leerer Kassen schwer finanzierbar scheint und die Bevölkerung ähnlich spalten dürfte wie das Projekt A 39? Bisher handelt es sich bei dem Vorstoß laut Falkenhagen lediglich um “eine Idee aus Celle”. Mit dem Hambührener Jörg Bode hat man immerhin einen gewichtigen Fürsprecher auf Landesebene – der Mann ist parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei in Hannover und hofft durch die A 27-Verlängerung auf eine "Schlüsselrolle in der Ost-West-Verbindung” für den Landkreis Celle.

Über die genaue Trassenführung hat man sich bei der Celler FDP noch keine Gedanken gemacht: “Für uns ist das politische Ziel wichtig”, sagt Falkenhagen. Allerdings dürfte die Festlegung einer Strecke die Planer vor einige Probleme stellen: Erst einmal muss der Truppenübungsplatz Bergen umgangen werden, dann wohl der Naturpark Südheide.

Das ist auch einer der Gründe, warum die verlängerte A 27 für die Landtags-CDU “kein Thema” ist, wie die Abgeordnete Ingrid Klopp erläutert: “Wir haben das schon diskutiert, aber das hypersensible Naturschutzgebiet lässt viel zu viel Widerstand erwarten.” Zudem stellt sie die Kostenfrage: “Wir können zusätzlich zu A 22, 26 und 39 kein neues Fass aufmachen.” Und: Durch die Querspange werde der Landkreis Gifhorn nach Westen gut angebunden sein, eine A 27 brauche man hier nicht.

Der FDP fehlt also offenbar der große Partner in dieser neuen A-Frage. Bode ficht das nicht an: “Das sind Gedanken für die Zeit nach der A 39-Fertigstellung – man mus visionär und langfristig denken. Und die CDU wollen wir noch überzeugen.”

Betroffen wäre von einer Trasse zwischen Walsrode und Wittingen – neben dem Celler Land – vor allem die Samtgemeinde Hankensbüttel. Samtgemeindebürgermeister Klaus Drögemüller wollte die FDP-Pläne gestern nicht weiter kommentieren: “Konzentrieren wir uns doch erst einmal auf den ersten Schritt – die A 39.” Steinhorsts Bürgermeister Wilhelm Hasselmann sieht aus den genannten Naturschutz-Aspekten keine Chance für den FDP-Vorschlag.

www.isenhagener-kreisblatt.de