Quelle: Isenhagener Kreisblatt, 29. April 2006

Welche Betriebe?

Stephan Hafeneth aus Brome schreibt zur A 39-Diskussion und reagiert insbesondere auf das Interview mit Adolf Bannier (IK vom 25. April):

Das Interview mit Herrn Bannier fordert förmlich eine Stellungnahme. Mal spricht er als Bürger, mal als Kommunalpolitiker und mal als Initiator der Bürgerinitiative Pro-A 39. Wohlweislich verzichtet er darauf, als Einwohner Bromes und als dessen Bürgermeister zu sprechen, denn im Interview gibt es nicht einen positiven Aspekt für Brome.

Herr Bannier sieht für diese Region wohl keine Chance, wenn sie nicht in jeder Hinsicht verkehrstechnisch an die Wirtschaftsmetropolen angeschlossen ist. Was ständig als Standortnachteil eines strukturschwachen Raumes deklariert wird, ist unter Umständen sogar unsere Stärke. In unserer Region gibt es eine intakte Natur. Ihre Stärke liegt in ihren Möglichkeiten, etwa im Tourismus und nicht in Angleichung und Anbiederung an die Wirtschaftsmetropolen.

Ich selbst komme aus dem Rheinland. Dort haben wir fast überall Autobahnen, drei bis vier Flughäfen und so weiter. Es gibt fast alle möglichen Industrien – aber bis zu 20 Prozent Arbeitslose. Betrachtet man dort die etwas abgelegenen grünen Lungen ohne Autobahn, etwa die Eifel oder den Niederrhein, so sind dort die Quoten weit besser. Man lebt vom Tourismus, Handwerk, Kleingewerbe, Landwirtschaft.

Was Banniers Argument der Standortsicherung vorhandener Betriebe angeht, muss man sich ernstlich fragen lassen, welchen Betrieb er da im Auge hat. Wäre diese Autobahn wichtig für VW, hätte es sie schon seit 40 oder 50 Jahren gegeben. Meint er hiesige Betriebe? Wohl kaum. Betriebe, die hier existieren, sind in der Regel mittelständisch und mit dieser Region eng verbunden.

Mit dem Argument angestrebter Industrie-Ansiedlungen lenkt er eigentlich nur davon ab, dass die hiesige Politik in der gesamten auslaufenden Legislaturperiode nicht einen ernsthaften Versuch unternahm, Gewerbe hier anzusiedeln.

Beschränkt sich Herrn Banniers Bemühen um Gewerbe-Ansiedlung auf den Bau der Autobahn? Bei Frau Lau, Frau Reissig, Herrn Bammel und Frau Klopp sieht es genauso aus. So wird das eigene Handeln auf einen Autobahnbau in 10 oder 15 Jahren gelenkt – obwohl wir dann eine ganz andere Bevölkerungsstruktur haben werden.

Die A 39 ist keine Zukunftsinvestition, sondern sie bindet langfristig alle finanziellen Ressourcen, und das genau wird das Gegenteil bewirken.

Die Abwanderungs-Tendenzen werden steigen. Wo ist denn die aktive Politik für die Kinder, die Jugend, die Natur, den Tourismus?

Stephan Hafeneth

www.isenhagener-kreisblatt.de