Quelle: Aller-Zeitung, 18. April 2006

Lessien: Autobahngegner formieren sich

Lessien (tru). Ein Dorf formiert sich gegen die Autobahn oder zumindest die Vorzugstrasse 350 Meter hinter den Gärten. 80 Unterschriften hat Roland John in Lessien gesammelt, etliche Ehraner unterstützen ihn. Gestern trafen sich 40 Autobahngegner, um Argumente zu sammeln.

„Diese Autobahn ist Schwachsinn“, meint John und steht nicht alleine da. Keiner ist überzeugt, dass Arbeitsplätze entstehen oder die Gemeinde vom Verkehr entlastet wird. Pastor Helmut Kramer, der an der Gifhorner Straße in Ehra wohnt, stellt jetzt schon fest: „Die Landesstraße besteht aus Kopfsteinpflaster mit Asphalt drüber. Die ist für den Schwerlastverkehr nicht geeignet, der dann aber noch zunimmt.“

Fritz Bammel vergleicht die Trennung der Gemeinde mit dem Eisernen Vorhang zwischen Zicherie und Böckwitz. „Da ist die Grenze gefallen, hier wird eine aufgebaut.“ Caterina Kautz schimpft: „Die Natur wird geschützt, aber der Mensch? Zählt der gar nicht?“ Ulrich Berg, Mitglied der Nabu-Kreisgruppe Gifhorn, hat eine Lärmuntersuchung mitgebracht. „Danach belastet die Autobahn die Anwohner der Dorfstraße tagsüber mit 55 und nachts mit 45 Dezibel.“ „Das Argument des sanften Tourismus können wir vergessen, vermutlich wird die Kriminalitätsrate steigen“, nennt John weitere Punkte.

Helene Bunte hat erfahren, dass die 608 Millionen Euro für den Bau der A39 zur Verfügung stehen. „In Kindergärten und Schulen fehlt das Geld.“ Ullrich Schröter vermutet eine „Fehlinvestition“ dieser 608 Millionen Euro: „Wenn Volkswagen wie geplant Stellen abbaut, brauchen wir die Autobahn nicht mehr.“

Bürgermeisterin Jenny Reissig und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Bammel machten in der Runde deutlich, dass sie sich für eine östlich von Ehra verlaufende Trasse einsetzen. Und sie ermutigten die Lessiener, Einwendungen zu schreiben, die im Rahmen des Raumordnungsverfahrens an die für die Planung zuständige Landesbehörde geschickt werden. „Das geht formlos“, erklärte Bammel. Ein Infoabend zur Autobahn ist für Donnerstag, 11. Mai, um 19 Uhr im Schießheim Ehra geplant.

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