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Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch, 10. Februar 2006 Viele rauschen einfach vorbeiZwei Jahre nach Eröffnung des Wesertunnels: Neue Ansiedlungen fehlen, aber der Handel profitiertKleinensiel/Kreis Cuxhaven (ih). Der Verkehr brummt. 13 000 Fahrzeuge brausen täglich durch den Wesertunnel – fünf Mal mehr als früher, als man mit der Fähre schipperte. Doch viele rauschen offenbar vorbei: Neue Firmen hat der Tunnel in den zwei Jahren seit der Eröffnung nicht in die Region gelockt. Profitiert haben aber die Händler in Bohmsiel. “Das Ansiedlungsgeschäft ist schwierig”, gibt Loxstedts Verwaltungschef Rudolf Taxius zu. Pünktlich zur Eröffnung des Tunnels heute vor zwei Jahren hat seine Gemeinde, die direkt an die Weser angrenzt, 20 Hektar als Gewerbegebiet ausgewiesen, im Kreuz von Tunnel-Zubringer und Autobahn 27, in bester Lage also. Bislang sind sechs Prozent davon verkauft, immerhin an einen Investor aus Süddeutschland, der mit dem Autohaus Klinke in Nesse kooperiert. Weitere Interessenten, sechs an der Zahl, haben im Loxstedter Rathaus angeklopft. Alle stammen aus der Region. “Wir werden uns hier im Wesentlichen das teilen, was wir haben”, sieht Taxius realistisch in die Zukunft. Dass der Kuchen, den es zu verteilen gibt, insgesamt nicht größer geworden ist durch den Tunnel, bestätigt auch Nils Schnorrenberger von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS in Bremerhaven. Aber der Einzelhandel in Bohmsiel im Süden der Stadt hat ein ordentliches Stück davon abbekommen. Der Gewerbepark auf der grünen Wiese, bereits “Boom-Siel” betitelt, hat nach Schnorrenbergers Aussage von der schnellen Möglichkeit, über die Weser zu kommen, kräftig profitiert. Das Autohaus Bobrink beispielsweise sei mit seinem Erweiterungsbau eigens wegen der Kunden aus der Wesermarsch in den Süden der Stadt gezogen. “Der Tunnel kam gut”, sagt Hornbach-Geschäftsführer Uwe Wilshusen. Auf dem Parkplatz des Baumarkt-Riesen, einer der Kunden-Magneten in Bohmsiel, sieht man häufig Braker Kennzeichen. Mehr als fünf Prozent der Kunden kommen von der anderen Weserseite, schätzt Wilshusen. In der Loxstedter Bahnhofstraße hingegen, der Einkaufsmeile in dem 5000-Einwohner-Ort, wartet man meist vergeblich auf die Besucher aus der Wesermarsch. “Die Resonanz ist verhalten”, sagt Dieter Hunold, Vorsitzender des Loxstedter Gewerbevereins Gewelo. Die Braker steuerten eben eher das Oberzentrum Bremerhaven an, “wenn wir jetzt Ikea hätten, wäre das sicherlich anders”. Tagestouristen in Sandstedt Halt machen die Besucher von dieser Seite aber in den Dörfern an der Weser. Carmelo De Rosa jedenfalls, Besitzer des Restaurants “Gamberino” in Dedesdorf, kann nicht klagen. “Die meisten Kunden kommen von drüben”, sagt er. Auch in Sandstedt lebt der Tagestourismus von dieser Seite. Vor allem von den Radlern. Denn dort schippert dank der Initiative dreier Kapitäne heute noch die Fähre über die Weser. Sandstedts Bürgermeister Gerd Meyer ist glücklich darüber. Der Tunnel, sagt er, ist wichtig für die Region. Für das Dorf aber zähle die Fähre. |