Quelle: Landeszeitung, 14. Dezember 2005

“Umgehungsstraße für Reppenstedt wäre aberwitzig”

“Probleme sind hausgemacht”, LZ vom 6. Dezember 2005

Der politische Umgang mit der Verkehrssituation im Westen Lüneburgs und im Bereich Reppenstedt wird immer abenteuerlicher. Niemand scheint mehr den Überblick über die Gesamtzusammenhänge haben zu wollen. Da wirkt der Streit über den heutigen Einfluss des Schnellenberger Weges zwischen Reppenstedt und Lüneburg-Mittelfeld doch geradezu grotesk.

Zuletzt behauptete Herr Olshof, Bürgermeister von Reppenstedt, die Anwohner der Neubaugebiete Schaperdrift/Teufelsküche kämen über den Schnellenberger Weg und die L 216 schneller in die Innenstadt und würden somit die Reppenstedter übermäßig belasten. Ein einfacher Blick auf den Stadtplan genügt, um die Abwegigkeit dieser These zu erkennen. Sowohl zeitlich als auch in Bezug auf die Fahrstrecke bietet diese Umfahrung keinerlei Vorteile.

Aus dem Bereich der Bürgerinitiative „Lüneburg Süd-West“ wird argumentiert, dass die inzwischen weit verbreiteten Navigationssysteme die Reppenstedter immer häufiger über den Schnellenberger Weg nach Lüneburg lotsten und dadurch eine besondere Belastung in der Straße „Auf der Höhe“ erzeugten. Das lässt sich leicht nachprüfen: Für Reppenstedter, die in Richtung Süden/B 4 unterwegs sind, ist der Weg über die L 216, Jägerstraße, Soltauer Straße und Uelzener Straße immer noch die kürzeste und schnellste Strecke. Nur nach Oedeme empfehlen die Navigationssysteme den Schnellenberger Weg, wobei sich der Routenplaner „Map24“ auch hier nur ungern für diese Strecke entscheidet.

Der Schnellenberger Weg mag derzeit von Lüneburgern und/oder Reppenstedtern genutzt werden, dann aber weder in erheblichem Umfang, noch um Zeit oder Kilometer zu sparen oder weil es ein Navigationssystem empfiehlt.

Magnet für mehr Verkehr

Wenn Herr Olshof allerdings meint, der Bau einer Umgehungsstraße („Ortskernentlastungsstraße“) südlich um Reppenstedt herum, brächte eine Entlastung, so irrt er. Dass Verkehrswege Verkehr anziehen, ist zwar eine Binsenweisheit, aber auch hier ist sie zutreffend. Die Straße käme dem Lüneburger Süden deutlich näher und nun würden sich auch die Navigationssysteme für den kürzeren Weg über den Schnellenberger Weg entscheiden. Die zusätzlichen Belastungen für die Anwohner der Straße „Auf der Höhe“, den Schülerverkehr zwischen Reppenstedt und Oedeme, sowie den Anliegern im südlichen Reppenstedt wären erheblich.

Rechnet man den Zubringerverkehr zu einer potentiellen westlichen Trasse der A 39 hinzu, so bekäme die „Ortskernentlastungsstraße“ weiteren Zulauf und dürfte bald als Autobahnzubringer betrachtet werden. Die Beeinträchtigungen mit Lärm und Immissionen stiegen im Raum Reppenstedt und „Auf der Höhe“ erneut erheblich an.

Unsere Kommunalpolitiker sollten sich vor diesem Hintergrund doch einmal genauer überlegen, ob sie ihren Wählern und der Region durch den Bau dieser überflüssigen Umgehungsstraße wirklich weitere Belastungen und einen Verlust an Lebensqualität zumuten wollen. Die Realität ist der Politik wie immer ein gutes Stück voraus: Die Verkehrszahlen auf der L 216 gehen seit 1998 stetig zurück. Dem sollte Rechnung getragen und nicht auf Jahrzehnte alte Pläne und falsche Prognosen gebaut werden. Nicht zuletzt könnten die für dieses Projekt notwendigen Steuermillionen auch sinnvoll investiert werden – z. B. in Bildung!

Hans-Christian Friedrichs
Beethovenstraße 22
21391 Reppenstedt

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