Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 26. November 2005

“Warten auf A 39 kostet Leben”

Zum Anstieg der Unfalltoten auf Uelzens Straßen

“Todesopfer Nr. 15 auf Uelzens Straßen” (AZ vom 17. November) — Jörg Rittinghaus, Suhlendorf:

Im gesamten Bundesgebiet sind die Verkehrsopferzahlen rapide gesunken. Nicht so im Landkreis Uelzen. Die Verkehrstotenzahlen halten sich seit vielen Jahren mit wetterbedingten Schwankungen auf dem gleichen Niveau. Wenn man jedoch die in den letzten Jahren stark erhöhte innere Sicherheit moderner Pkw zugrunde legt, kann man von einem erheblichen relativen Anstieg der Verkehrsopferquoten im Landkreis Uelzen ausgehen.

Zwei gravierende Missstände sind im Wesentlichen für diese extrem unterschiedliche Entwicklung in unserem Landkreis, verglichen mit dem gesamten Bundesgebiet, verantwortlich.

1. Die Bundes- und Landstraßen weisen einen engen Baumbestand an den Straßenrändern auf, wobei kaum Leitplanken zum Schutz vor Baumkollisionen vorhanden sind. Schon vor zwölf Jahren betrug die Quote der tödlichen “Baumunfälle” über 50 Prozent der gesamten Verkehrsunfälle mit Todesfolge. Seitdem gibt es in dieser Region, im Gegensatz zu vielen anderen, kaum Verbesserungen zur Senkung der Verkehrsopfer in diesem Hauptunfallbereich.

2. Es gibt in der gesamten Bundesrepublik Deutschland keine andere Region, durch die eine internationale frequentierte Hauptverkehrsachse verläuft, aber die dennoch über keine Autobahn verfügt. Fast der gesamte Verkehr auf dieser Nord-Südosteuropa-Achse, aus Dänemark über die Groß- und Hauptstädte Hamburg, Wolfsburg, Leipzig, Dresden, Prag, Wien, etc. bis hin zu den wachstumsstarken künftigen EG-Ländern Bulgarien und Rumänien, quält sich über die hiesigen extrem unfallträchtigen Bundesstraßen, da die Nutzung der vorhandenen Autobahnverbindung einen großen kostenträchtigen Umweg erfordern würde.

Da auf Autobahnen bei gleicher Bemessungsgrundlage nur etwa 20 Prozent der Verkehrstoten zu verzeichnen sind wie auf Bundesstraßen – Frontal- und Baumunfälle sowie Kollisionen mit dem Querverkehr fallen als Hauptunfallursachen nahezu weg – kann man konstatieren, dass es hunderte von Verkehrsunfällen mit Personenschäden weniger gegeben hätte, wenn die A 39 baldmöglichst nach der Wiedervereinigung gebaut worden wäre.

Der irrationale, ideologisierte Kampf gegen die A 39 wird mit jeder wahrscheinlich erfolgreichen juristisch fundierten Verzögerung viele weitere Verkehrsopfer Gesundheit oder gar Leben kosten. Für den angesammelten Fonds zur Verhinderung der A 39 gibt es nur eine treffende Bezeichnung: “Verkehrsopfer-Förderungsfonds”.

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