Quelle: Die Welt, 13. November 2005

Wirtschaft will Weiterbau der A 21 vorantreiben

Neue Autobahn in Hamburgs Osten soll den Verkehr der Hansestadt entlasten

Die Hamburger Handelskammer will zusammen mit dem ADAC und den Kammern in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Planungen für eine neue Autobahn vorantreiben. Dabei handelt es sich um eine östliche Umfahrung Hamburgs, die entlang der Bundesstraße 404 von der A 21 bis zur A 7 führen wird.

Ein Ingenieurbüro soll jetzt beauftragt werden, auf Kosten der beteiligten Verbände die Planungen dafür aufzunehmen. Der Leiter des Geschäftsbereichs Infrastruktur der Handelskammer, Reinhard Wolf, bestätigte der “Welt am Sonntag” entsprechende Überlegungen. “Wir haben bereits Angebote mit einer inhaltlichen Stellungnahme von verschiedenen Planungsbüros eingeholt.” Das Verfahren sei aber noch ergebnisoffen.

Ziel der neuen Planungen soll es sein, eine östliche Umfahrung Hamburgs mit einer Brücke über die Elbe bei Geesthacht im Bundesverkehrswegeplan weiter oben zu verankern. Dort ist dieses Projekt nur im “weiteren Bedarf” verzeichnet. Damit steht eine Finanzierung und Realisierung vor 2020 nicht an.

“Wir haben aber auf der anderen Seite Hamburgs, bei der geplanten Westumfahrung, eine neue Situation”, sagt Wolf. Dort soll die A 20 bei Glückstadt die Elbe in einem Tunnel queren. Anschließend war ihre Anbindung an die A 1 geplant. “Doch das hat sich mit dem Wunsch Niedersachsens, die Autobahn als Küstenautobahn A 22 weiterzuführen, erledigt”, sagt Wolf.

Die Änderung werde aber den Bau um mindestens 15 Jahre verzögern, weil man jetzt wieder neu planen müsse. Zudem müssten private Investoren, die den Tunnel finanzieren wollen, neu kalkulieren. Angesichts dieser Entwicklung sei jetzt zu prüfen, ob die östliche Elbquerung nicht doch innerhalb des Bundesverkehrswegeplans in den “vordringlichen Bedarf” aufgenommen werden kann.

“Mit der Osterweiterung und der geplanten festen Fehmarnbelt-Querung rollen zunehmend Verkehre auf Hamburg zu”, sagt Wolf. Man müsse daher sicherstellen, daß der Wirtschaftsverkehr vor Ort dadurch nicht behindert werde. Das alles soll jetzt in einem Gutachten geprüft werden, an dessen Finanzierung sich der ADAC und die anderen Kammern beteiligen wollen.

Es ist das erste Mal, daß nicht die Stadt, sondern Wirtschaftsverbände in Hamburg die Planungen für ein großes Infrastrukturprojekt in Angriff nehmen. In ganz Norddeutschland gibt es nur zwei ähnliche Beispiele. So haben die Kammern und zahlreiche Verbände in Niedersachsen sich zusammengeschlossen, um zumindest teilweise die Planungen für die Küstenautobahn A 22 zu finanzieren.

Auch der Lückenschluß der Emsland-Autobahn A 31 ist mit maßgeblicher Unterstützung der Wirtschaft zustande gekommen. Unternehmen und Kommunen in der Region beteiligten sich mit 53,7 Millionen Euro an dem 260 Millionen Euro teuren Bau des Autobahnteilstücks zwischen Geeste und Ochtrup. Wie hoch die Kosten für das Planungsgutachten in Hamburg sind, konnte Wolf noch nicht sagen. “Das wird derzeit ermittelt. Ende des Jahres wissen wir mehr.”

Der ADAC Hansa hatte sich sofort für die Unterstützung des Projekts stark gemacht. “Wir haben immer auf die Notwendigkeit der Ostumfahrung Hamburgs hingewiesen”, sagte Verkehrsvorstand Arno Reglitzky. Der Elbtunnel sei trotz der vierten Röhre ein Engpaß, der die wachsenden Verkehrsmengen kaum aufnehmen könne, die an Hamburg vorbeirollen werden.

Dies sei keine Absage an den Weiterbau der A 20 im Westen. “Aber wir müssen angesichts der Prognosen zweigleisig planen”, so Reglitzky. Deshalb werde sich der ADAC finanziell an dem Gutachten beteiligen.

Der ADAC in Schleswig-Holstein hatte den Verband in Hamburg in der Vergangenheit wegen seines Engagements für die östliche Elbquerung kritisiert. Die Kollegen im Norden bevorzugen dagegen eine Autobahn, die im Westen über die Elbe führen soll. Martin Kopp

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