Quelle: Landeszeitung, 28. Juni 2005

Genossen haben jetzt die Wahl

Nils Kolbe aus Heiligenthal tritt gegen amtierende SPD-Bundestagsabgeordnete Hedi Wegener an

ml Lüneburg. Während bei der CDU die Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis 37 Schlange stehen, hält die SPD im Dunkel des Umfragen-Kellers ihre Reihen eng geschlossen. Nach dem Motto “Eine Partei, eine Stimme, nur eine Wahl” deutete vor der Kandidaten-Kür am nächsten Freitag alles darauf hin, dass es nur eine Bewerberin geben würde – die amtierende Bundestagsabgeordnete Hedi Wegener.

Rund einen Monat nach dem Landtagswahl-Debakel in Nordrhein-Westfalen und dem Neuwahl-Coup des Kanzlers setzen die Genossen auch im Landkreis Lüneburg auf Wahlkampf erprobtes Personal, sollen bewährte Kräfte den Karren aus dem Dreck ziehen. Bereits bei der Bundestagswahl 2002 hatte Wegener aus Kirchgellersen den Wahlkreis direkt gegen Kurt-Dieter Grill (CDU) gewonnen – das Vertrauen der SPD in die 59-Jährige scheint ungebrochen.

Doch am vergangenen Mittwoch hat die “Einigkeit-macht-stark”-Fassade erste Risse erhalten – ausgerechnet in Wegeners Heimat, dem SPD-Ortsverein Gellersen, stellte sich ihr ein 19-Jähriger in den Weg, erhielt beim Votum der Mitglieder zur Bundestagswahl immerhin drei von zwölf Stimmen bei einer Enthaltung. Unzufriedenheit und “der Wunsch, etwas zu verändern”, ließen Nils Kolbe aus Heiligenthal vor vier Jahren in die SPD eintreten – eine Motivation, die ihn auch heute noch antreibt. “Ich könnte mich raushalten und wie viele andere in meinem Alter erst mal studieren”, sagt der 19-Jährige. “Aber man kann nur wählen, wenn man eine Wahl hat – und die besteht nicht darin, eine Person zu unterstützen oder nicht.”

Warnungen älterer Genossen, besser nicht den Hut gegen die Favoritin der Parteispitze in den Ring zu werfen, schlägt Kolbe in den Wind. “Auch wenn ich am Freitag keine Chance habe: Für einen Denkzettel reicht es hoffentlich.”

Eine Zeit lang hofften vor allem die Jusos auf Lars Klingbeil als zweiten Bewerber für die Kandidatur. Doch der 27-jährige wahlkreislose Bundestagsabgeordnete winkte ab. “Als Munsteraner bin ich geografischer Außenseiter”, begründet Klingbeil seinen Verzicht. Zudem habe es “deutliche Signale aus Lüneburg gegeben, dass meine Kandidatur nicht unterstützt wird”. Gleichwohl begrüßt er als stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos die Bewerbung Kolbes: “Auch in der SPD ist ein Generationswechsel erforderlich.”

Sportlich nimmt Hedi Wegener die Herausforderung. “Soll ich mich darüber ärgern, dass junge Leute mitgestalten wollen ? Ich war doch selbst einmal so”, sagt die 59-Jährige und fügt mit einem Blick zurück hinzu: “Ich stehe heute nur hier, weil es Menschen gab, die meine Aufmüpfigkeit unterstützt haben.” Schließlich lebe die SPD von Kontroversen.

Kolbe hält den von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeschlagenen Kurs für richtig. “Er macht die Politik, die wir schon lange gebraucht haben.” Damit dieser Weg fortgesetzt werden könne, müsse das Vertrauen der Bürger zurückgewonnen, Aufbruchstimmung erzeugt werden. “Neues Vertrauen kann aber nur über neue Gesichter aufgebaut werden”, ist der 19-Jährige überzeugt.

Ehrlichkeit ist für den Juso ein Muss: “Ich verspreche nichts, außer dass ich hart arbeiten und alles für die Region tun werde. Daran sollen mich die Wähler messen.” Auch bei den Plänen für die Autobahn 39 plädiert er für Offenheit. “Die A 39 wird kommen, und zwar auf einem der sieben Verläufe, die bereits vorgestellt wurden”, glaubt Kolbe. “Alles andere ist Wunschdenken, nicht die Wahrheit.”

Für den 19-Jährigen selbst schlägt die Stunde der Wahrheit am Freitag, 1. Juli, ab 19 Uhr in der Lüneburger Ritterakademie. Dann tagt ab 19 Uhr die Wahlkreiskonferenz der SPD-Unterbezirke Lüneburg, Uelzen/Lüchow-Dannenberg, Landkreis Harburg und Soltau-Fallingbostel. Kontrahentin Hedi Wegener ist jetzt schon sicher: “Nils wird seine Stimmen erhalten. Der Mut gegen den Strom zu schwimmen, ist immer belohnt worden.”

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