Quelle: Wolfsburger Nachrichten, 27. Juni 2005

Infostände mitten im Wald

Bürgerinitiative demonstrierte den Trassenverlauf mit Absperrband

Von Reiner Silberstein

GIFHORN. Familienfeststimmung im Eyßel – aber mit ernstem Hintergrund: Mitten im Wald machte die Bürgerinitiative gegen die Nordtrasse gestern mobil gegen den geplanten Straßenbau.

Bürger, Parteien und Verbände postierten sich entlang des Feldweges durch den Forst – Walking-Frauen, Naturschutzbund, Radpsort-Club, Behindertenbeirat und Fremdenverkehrsverein. Und überall gab es Diskussionen: “Keine der geplanten Varianten für die Entlastungsstraße vom Gifhorner Gewerbegebiet Süd bis zur Isenbütteler Moorstraße ist durchführbar”, sagte Uwe Müller aus Isenbüttel, “da sind Häuser und ein Überschwemmungsgebiet.”

Detlef Lehner, der Isenbütteler Ortsabteilungsvorsitzende radelte mit dem roten Partei-Fahrrad durch den Wald: “Das Geld wird verschleudert.” Als Entlastungsstraße tauge die Trasse nichts, und der Bedarf an Gewerbegebieten sei nicht mehr vorhanden. “An der Tangente sind noch genug Grundstücke frei.”

Im Stadtrat sei ihre Partei die einzige, die die Straße verhindern will, sagt Nicole Wockenfuß, die Stadt-Fraktionsvorsitzende der Grünen. “Wir wollen die Lebensqualität in der Stadt sichern. Vielen Gifhornern ist nämlich gar nicht klar, dass es vor allem auch sie trifft, dass ihr Naherholungsgebiet zerstört wird.”

Das war der Sinn des Waldfestes. Denn die zahlreichen Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer, die den Eyßel gestern durchquerten, trafen mittendrin auf den Stand der Bürgerinitiative – genau dort, wo eine der Varianten gebaut werden könnte. “Wie, hier? Ich dachte entlang der Bahn …”, sollen einige Besucher erstaunt gefragt haben, berichtet Jürgen Schönfisch. Mit Absperrband hatten die Organisatoren die geplante Trasse für jeden sichtlich abgesteckt. “Das wird eine riesige Kurve”, sagte Rainer Will. Und sie müsse weit ausholen, weil sie für 70 Stundenkilometer ausgelegt sei. Die Straße werde nur 10 Meter breit, aber wegen des Brückendamms würden die Bäume in einer Breite von bis zu 30 Metern abgeholzt, sagte Will.

Margret Nywelt appellierte noch einmal an Landrätin Marion Lau (SPD): “Sie sollte dafür sorgen, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung nicht in die Sommerferien fällt.” “Wenn alle im Urlaub sind, dann kann man es gleich lassen”, findet Will, “dann wäre die Demokratie ausgehebelt.”

“Der Widerstand wächst auch bei den Gifhornern”, ist sich Rüdiger Wockenfuß sicher, der Kreisverbands-Vorsitzende des Verkehrsclubs (VCD). Und Jörg Woltersdorf (SPD und Interessengemeinschaft verkehrssicheres Isenbüttel) ist optimistisch: “Die Kassen sind leer! Meine Hoffnung ist: Für die Straße wird es einfach kein Geld mehr geben.”

Für die Straße hat das Raumordnungsverfahren begonnen.

Veranschlagt sind 11,2 Millionen Euro. Kritiker bezweifeln, dass das überhaupt noch ausreicht, weil eine 10 bis 14 Meter hohe Brücke über die Bahn gebaut werden soll.

Die Gemeinde Isenbüttel, hat es abgelehnt, sich an den Planungskosten von 1,32 Millionen Euro zu beteiligen.

www.newsclick.de