Quelle: Landeszeitung, 11. Juni 2005

Trittin rechnet mit Aufwind für die Grünen

Umweltminister im LZ-Gespräch

wko Lüneburg. Es wird munter zur Sache gehen. “Denn alle Parteien wollen Neuwahlen”, sagte Jürgen Trittin. Der grüne Bundesumweltminister kam zum Auftakt des Wahlkampfes nach Lüneburg. Im Gepäck hatte er ein hohes Maß an Solidarität für den Kanzler – “Ich beteilige micht nicht an Spekulationen” – und die feste Überzeugung, dass die Grünen bei der möglichen Neuwahl des Bundestages im September “noch zulegen können”. Denn letztlich gehe es bei der Wahl auch darum, ob Deutschland “vom Sozialstaat in Richtung des Modells Amerika oder des Vereinigten Königreiches gezogen wird oder nicht”.

Das Modell Johnson Controls – einer der größten Arbeitgeber Lüneburgs – begutachtete Trittin während seines Lüneburg-Besuchs. Denn gerade die Zulieferbetriebe in der Autobranche seien “den Bedingungen des Internationalen Wettbewerbs in besonderer Weise ausgesetzt”. Doch nicht nur die Überlebenskonzepte, sondern auch die Umweltkonzepte des Unternehmens nahm der Grüne unter die Lupe.

Trittin selbst steht am 16. Juli auf dem Prüfstand. Dann wird die Landesliste für die Wahl aufgestellt. Und die grüne Basis in der Region Lüneburg muss sich zwei brisanten Themen stellen: mit der Autobahn 39 und Gorleben. Während die Lüneburger Grünen gegen die Autobahn sind, schob Trittin den Schwarzen Peter der CDU/FDP-Landesregierung zu. Denn die A 39 habe von seinem Ministerium ein so genanntes Ökosternchen erhalten. Es muss bei der Linienführung nachgebessert werden, um nicht in Konflikt mit geltendem Naturschutzrecht zu kommen. Daher stehe die A 39 zwar im vordringlichen Bedarf bis 2015, aber solange das Sternchen auf dem Papier steht, gebe es keine Zuschüsse für erste Maßnahmen für die Autobahn.

Mit den Atomplänen der Union und den Stromkonzernen ging Trittin hart ins Gericht. Diese wollen in Gorleben “mit Brachialgewalt das Moratorium aufheben” und weniger Erkunden, sondern schlicht das Endlager bauen. Trittin lehnt das ab. Er will weiter ergebnisoffen suchen lassen. Einen Gesetzentwurf dazu werde es aber vor der Wahl nicht mehr geben.

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