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Quelle: Weser Kurier, 9. Juni 2005 Autobahn-Lobby drückt aufs GasDie geplante A 22 zwischen Stade und Westerstede soll 2014 mit den ersten Teilstrecken in Betrieb gehenVon Jürgen Hinrichs BREMERVÖRDE. Helmut Werner kommt zu spät. “Eine Stunde und 40 Minuten von Wilhelmshaven nach Bremervörde!”, klagt er. Früher losfahren, könnte man antworten. Doch so hat es der Chef der JadeWeserPort-Realisierungsgesellschaft nicht gemeint. “Mit der Küstenautobahn wäre ich längst hier”, ruft Werner in die Versammlung all derer, die mit Macht für den Bau der A 22 streiten. In Bremervörde haben sie jetzt noch einmal kräftig getrommelt. Auf welcher Trasse genau die Autobahn gebaut werden soll, steht noch in den Sternen. Und wer sie eines fernen Tages bezahlen könnte, ist genauso ungewiss. Trotzdem wird über das Projekt geredet, als stünde der erste Spatenstich kurz bevor. Ein Indiz dafür, wie wichtig vor allem die Wirtschaft in der Region die erhoffte Verbindung von der Elbe bei Stade durch den Wesertunnel bis zur A 28 bei Westerstede nimmt. 112 Kilometer für geschätzte 850 Millionen Euro – so viel Autobahn wird sonst in Deutschland nur noch mit der A 94 in Bayern geplant. Die A 22 soll das entscheidende Bindeglied einer großräumigen Ost-West-Achse sein, die Skandinavien und das Baltikum mit Norddeutschland und, über die A 31, dem westlichen Ruhrgebiet verbindet. “Dann sitzen wir bei 17 Millionen Menschen im Vorgarten”, schwärmt Helmut Werner.Der Manager vertritt während der Informationsveranstaltung des Fördervereins “Pro A 22” die deutsche Seeverkehrswirtschaft und damit, wie er stolz betont, eine Branche, an der 300 000 Arbeitsplätze hängen. “Jeder einzelne Hafen, ob an Nord- oder Ostsee, würde von der Küstenautobahn profitieren”, sagt Werner, der zum Vorstand des Fördervereins gehört. Ohne die A 22 drohe insbesondere auf der A 1 ein Verkehrskollaps. Bis zum Jahr 2020 werde dort mit deutlich mehr als dem Doppelten an Lastwagen gerechnet.Allen Widrigkeiten zum Trotz – der Bund hat die Küstenautobahn nicht zum vordringlichen Bedarf erklärt und sie damit vorerst auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben –, glaubt Werner fest an eine schnelle Realisierung: “Ich gehe davon aus, dass wir 2014 die ersten Teilstrecken in Betrieb nehmen können.” Das Geld für die Vorplanung, 2,25 Millionen Euro, ist so gut wie beisammen. Es wird je zu einem Drittel von der Wirtschaft, von den Kommunen im Planungsgebiet und vom Land Niedersachsen aufgebracht.So entschieden der Förderverein für die A 22 kämpft, so massiv fällt der Widerstand der Umweltverbände aus. “Zu teuer, überflüssig und eine gigantische Naturzerstörung”, bilanziert der BUND. Er befürchtet Lkw-Lawinen, die sich durch die bislang eher ruhige nordwestdeutsche Landschaft wälzen. Mehr als die Hälfte des Untersuchungsraumes beträfe wertvolle Lebensräume für die Natur, Hochmoore zum Beispiel oder Feuchtgebiete. Für den BUND steht deshalb fest: “Ein Monstervorhaben.” |