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Quelle: Pressedienst der Stadt Lüneburg, 13. Mai 2005 Autobahn A39: Konflikt um konfliktarme Zonen(sp) Lüneburg. Bei der Planung der Autobahn A39 hat der Chef des Lüneburger Straßenbauamtes, Friedhelm Fischer, nicht nur die Gesetze und Verordnungen im Nacken, sondern jetzt auch verschärft die Politiker und Bürgerinitiativen. Seit Fischer gemeinsam mit Annette Padberg das Varianten-Spektrum für die A39 vorgestellt hat, können sie sich über viele Fragen und Kritik, viele Gerüchte und Mutmaßungen nicht beschweren. Je konkreter die Planung wird, um so empfindlicher reagieren die Politiker. Das bekam Fischer jetzt auch bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse in der Ritterakademie zu spüren. Gereizte Stimmung und Unverständnis machten sich teils bei Mitgliedern des Lüneburger Rates und des Kreistages breit, denen der Planungsstand in der Ritterakademie vorgestellt wurde. Vor allem wurde mehrfach kritisiert, dass die Planung nicht weiter Richtung Norden ausgedehnt wurde, sondern bis auf eine Ausnahme am Ende der A250 in Lüneburg ansetzt. ,,Wir hatten den Auftrag vom Land, ab Lüneburg zu planen“, so Annette Padberg. Und Fischer erklärte, dass dies bei der Auftragsvergabe mit dem Land als Raumordnungsbehörde so abgestimmt worden sei, weil schon bei der ersten Durchsicht von Fakten keine konfliktarmen Zonen im Norden Lüneburgs gefunden worden seien, gleiches gelte für den nördlichen Abschnitt der Bundestrasse 4. Damit allerdings wollen sich weder die Stadt noch der Landkreis zufrieden geben. Sie fordern auch für diese Fläche detaillierte Untersuchungen. Straßenbauamtschef Fischer erklärte, wie sein Amt vorgeht: In einem abgestuften Verfahren habe das Straßenbauamt mit der Hilfe von Umweltstudien den ursprünglich 2800 Quadratkilometer großen Suchraum zwischen Elbe und Wolfsburg nach Zonen für mögliche Trassen durchforstet und auf mehr als die Hälfte verkleinert. Vorgaben waren dabei zum Beispiel, möglichst einen Puffer von 500 Meter zu Siedlungen zu gewinnen, keine Biotope zu kreuzen oder technisch unüberwindbare Hindernisse. Aus dem Suchraum wurden so konfliktarme Korridore. Und in diese Gebiete ist schließlich ein Mosaik von 84 Trassen-Schnipseln gezeichnet worden, die wiederum zu sieben Varianten gebündelt wurden. Und genau die werden nun bis Ende des Jahres anhand noch ausstehender Untersuchungen überprüft und bewertet. Am Ende wird das Straßenbauamt dem Land als Raumordnungsbehörde die Trassen im Vergleich bewertet vorlegen. Dann geht es in die nächste Runde, das Raumordnungsverfahren. Die nächsten Schritte sind schließlich die Linienbestimmung durchs Bundesverkehrsministerium, die Planfeststellung für Teilabschnitte und schließlich für das Gesamtbauwerk von rund 100 Kilometern Länge zwischen Lüneburg und Wolfsburg. Noch fehlen den Planern wesentliche Untersuchungsergebnisse zum Beispiel für die Kartierung von seltenen Tieren, von Fauna-Flora-Habitat-Gebieten und vor allem für die Auswirkungen auf den Menschen. Und der Mensch, da waren sich die Politiker von Kreistag und Rat der Stadt einig, müsse ganz oben auf der Bewertungsskala stehen. Der grundsätzliche Konflikt zwischen Politikern und Planern liegt dabei auf der Hand: Die Politiker verfolgen die Interessen von Bürgern und ihren Orten, die Planer fragen nur nach dem, was technisch machbar, zugleich umweltverträglich ist und im Einklang mit den Gesetzen steht. Allein in der Umweltverträglichkeitsprüfung, so Fischer, seien 37 Einzelaspekte zu berücksichtigen, dann kommen die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Raumverträglichkeit dazu. Auch zur Verkehrsuntersuchung liegen erst Zwischenergebnisse vor, sie bescheinigt allen sieben Varianten, die noch im Rennen sind, gute Noten. Die Autobahn zöge Verkehr aus den Ortschaften, im Jahr immerhin 100 Millionen Kfz-Kilometer, verringere die Unfallzahl. Und vor allem sind die Trassen auch wirtschaftlich machbar. Ginge es nur nach dem Verkehr, lägen zwei Westvarianten um Lüneburg leicht vorne. Ginge es nur nach der Raumordnung, wäre westlich wie östlich von Lüneburg eine Variante leicht bevorzugt. Doch das alles ist nur die halbe Wahrheit. Ausschlaggebend ist, wie umweltverträglich die Trassen zudem sind. Und diese Untersuchungen dauern noch an. Am Ende der Sitzung war es noch wie bei Goethes Wilhelm Meister: Der Vorhang fällt und alle Fragen bleiben offen. |