Quelle: Hamburger Abendblatt, 10. Mai 2005

A-39-Pläne: Sieben Varianten

Autobahnneubau – In der IHK wurde der Stand der Dinge vorgetragen. Klar scheint nur: Die B 4 wird nicht ausgebaut.

Von Andreas Schmidt

Lüneburg - Der Ort der Präsentation war bestens gewählt: Das Straßenbauamt Lüneburg (das neuerdings Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Außenstelle Lüneburg heißt) lud Bundes- und Landtagsabgeordnete und Bürgermeister in die ehrwürdigen Gemäuer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg am Platz Am Sande. Die Politiker wollten sich über den neuesten Stand der Dinge zur geplanten Autobahn A 39 von Lüneburg nach Wolfsburg informieren.

Der Leiter des Straßenbauamtes, Friedhelm Fischer (49), zeigte sich optimistisch: “Wenn die Planungen zügig vorangehen, könnte der erste Spatenstich für die Autobahn schon im Jahr 2010 erfolgen.” Allerdings, so räumte der Amtschef ein, sei mit Klagen gegen die A 39 zu rechnen, deren Ausgang und Zeitmaß derzeit noch nicht abzuschätzen seien.

Nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen hat das Straßenbauamt 84 Teilstücke zwischen Wolfsburg und Lüneburg zu sieben Varianten gebündelt. Sie führen östlich und westlich um Lüneburg herum, auch östlich und westlich um Uelzen. Das Ergebnis der jetzt vorgestellten Verkehrsuntersuchung lautet: “Der gegenwärtige Planungsstand läßt noch keine Präferenzen bezüglich bestimmter Varianten zu, ebenso können Varianten zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.”

Deshalb müssen noch eine Umwelt- und eine Raumverträglichkeitsstudie zu Ende gebracht werden. Nur eine Untersuchung hat schon zu konkreten Ergebnissen geführt: Für die Landwirtschaft wäre die östlichere der beiden Varianten verträglicher, “denn südlich von Uelzen und zwischen Lüneburg und Uelzen gibt es landwirtschaftlich wertvolle Gebiete”, so Friedhelm Fischer. Dennoch: Diese Teilstudie stelle nur einen von rund 50 Aspekten für die Gesamtbewertung dar.

Zwei Varianten wollte Fischer aber schon einmal ausschließen: einen Ausbau der Bundesstraße 4 zwischen Lüneburg und Uelzen zur vierspurigen Bundesstraße oder zur Autobahn sowie eine Trassenvariante, die weiter nördlich um Lüneburg herumführt und bei Bardowick auf die A 250 mündet – hier gebe es “keine relativ konfliktarmen Bereiche”. Fest stehe auf Grund der “dispersen Siedlungsstruktur” auch, daß der Mindestabstand der Autobahn von 500 Metern “im Zusammenhang zu bebauten Gebieten in einigen Bereichen” unterschritten werde.

Kritik zur Trassenuntersuchung kam von Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und vom Ersten Kreisrat Stefan Porwol: Das Straßenbauamt solle die nördlich um Lüneburg herumlaufende Trassenvariante und den Ausbau der Bundesstraße 4 detaillierter untersuchen. “Die Zeit für die Untersuchungen müssen wir uns nehmen.”

Grundsätzlich befürworten Mädge und Porwol die geplante Autobahn. Sie wenden sich aber gegen Trassen, die auf der Ostumgehung und zwischen Lüneburg und Adendorf verlaufen. Mädge: “Der Ausbau der Ostumgehung ist keinem Anwohner zuzumuten, dort fahren heute schon bis zu 40 000 Autos am Tag.” Auch ein Keil zwischen Adendorf und Lüneburg sei unakzeptabel. “Wir müssen auch die Sorgen der Autobahngegner ernst nehmen und deren Kritik prüfen”, so der Oberbürgermeister.

Gegner der A 39 demonstrierten vor der IHK mit Treckern und Transparanten: Die A 39 sei überflüssig und vernichte Landschaft und Arbeitsplätze in der Region.

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