Quelle: Volksstimme, 4. April 2005

“Am Ende nutzen doch alle die neue Autobahn”

Diskussion im Gemeinderat von Neuekrug / Bürgermeister Udo Riechmann

Von Kai Zuber

Die Pläne zum Bau der Autobahn 39 bewegen die Gemüter in der Region um Diesdorf. Nach dem aktuellen Stand der Planungen soll die Autobahn an Diesdorf und Wittingen vorbei und nur über niedersächsisches Gebiet führen. Am Donnerstag war der Autobahnbau im Gemeinderat von Neuekrug Thema. Einwohner baten darum, über den aktuellen Stand der Planungen informiert zu werden.

Diesdorf/ Neuekrug. Unweit der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt steht im niedersächsischen Rade (Landkreis Gifhorn) seit geraumer Zeit ein Protestschild gegen den geplanten Bau der Autobahn 39. Landwirte haben das Schild gestaltet. Die A 39 soll, von Wolfsburg kommend, an Wittingen vorbei nach Norden führen.

In unmittelbarer Nähe soll die B 190 n als Zubringer auch die Orte Rade, Waddakath, Schadeberg, Dülseberg und Neuekrug tangieren. Während einige Politiker in den kommenden zehn Jahren nicht mit einem Baustart rechnen, ist zum Beispiel Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß optimistisch: „Ich glaube, wir werden bald auf der A 39 fahren.“

Welche Vorteile bringt der geplante Weiterbau der A 39 für die Region um Diesdorf? Diese Frage wurde am Donnerstag im Gemeinderat von Neuekrug angerissen. Einwohner baten darum, über den Stand der Planungen informiert zu werden. „Nach den aktuellen Informationen soll die Autobahn an Diesdorf und Wittingen vorbei und nur über niedersächsisches Gebiet führen“, sagte Bürgermeister Udo Riechmann. Dies mache deshalb Sinn, weil dann nur ein Regierungspräsidium mit der Planung betraut sei. Der Ortschef machte deutlich, dass er eher zu den Befürwortern des Projekts zählt: „Einige Menschen wollen zwar die Autobahn nicht, doch wenn sie erst einmal da ist, benutzen sie doch alle.“ Der Terminplan zum Bau sei abgesteckt: Bei einem Treffen Ende April in Salzwedel sollen Institutionen und Kommunen angehört werden.

Zu den Befürworten der A 39 zählt auch Hartmut Schöberl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Er prognostiziert, dass die A 39 die Ansiedlung von Wirtschaft und Industrie sowie Gewerbe insgesamt vorantreiben und so neue Arbeitsplätze schaffen werde. „Die Preise der Immobilien werden nicht fallen, sondern steigen“, sagte Schöberl, der seit langem mit den Planungen vertraut ist.

Nach dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP) in der Fassung von 2003 stehe der Ausbau der A 39 in der ersten Dringlichkeitsstufe. Es ist durchaus möglich, dass die Trasse östlich von Wittingen dicht an Waddekath vorbei läuft. Jedoch soll sie auch dort ausschließlich auf niedersächsischem Territorium gebaut werden. Die „Hosenträger-Lösung“ wird laut Schöberl mindestens 1539,4 Millionen Euro kosten. Das Raumordnungsverfahren sei für das zweite Halbjahr 2005 geplant. Im ersten Halbjahr 2006 kann die konkrete Linienfestlegung folgen. Ein Planfeststellungs-Beschluss sei dann für 2008/2009 möglich.

Wenn der Bau beginnt, soll zuerst der nördliche Abschnitt und später der südliche erfolgen. Der Zubringer aus Salzwedel, die B 190 n, könnte die Orte Neuekrug und Bonese tangieren. Ebenfalls in der ersten Dringlichkeitsstufe des BVWP steht die Ortsumgehung von Brome.

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