|
Quelle: Frankenpost, 29. Januar 2005 Widerstand gegen Autobahn wächst16. Umweltpreis an Gegner der Fichtelgebrirgsautobahn verliehen, Bürgerinitiative und Bürgermeister aus Sparneck und Zell vom BN ausgezeichnetDer festlichen Worte zur Verleihung des Umweltpreises 2005 der Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz (BN) wurde im Sitzungssaal des Sparnecker Rathauses viel gesprochen. Mit der jährlich vergebenen Auszeichnung wurde die Bürgeriniative gegen einen Autobahnneubau durch das Fichtelgebirge und die Bürgermeister Gerhard Loy und Albrecht Dietel der Gemeinden Sparneck sowie Zell bedacht (wir berichteten). SPARNECK. „Das sind Preisträger, die sich kämpferisch ganz ehrlich die Auszeichnung erworben haben“, betonte Udo Benker-Wienands. Wie der BN-Kreisvorsitzende hervorhob, gehe der Umweltpreis 2005 an drei im Verbund, da im Widerstand gegen den Neubau einer Fichtelgebirgsautobahn alle zusammengehörten. „Wir leben am Nordhang des Fichtelgebirges in einer herrlichen Landschaft, die man nicht mit dem großen Loch eines Tunnels verunstaltet“, sagte er. Damit würde man in das erste und älteste Naturschutzgebiet, den Waldstein, eine Verkehrslawine hineinkanalisieren. Im vergangenen Jahr habe man viel Hoffnung geschöpft, dass die Fichtelgebirgsautobahn endgültig zu Grabe getragen ist. Wie der Kreisvorsitzender betonte, ruhe dieser Erfolg auf vielen Schultern. „Wer sonst hätte den Umweltpreis verdient als die Bürgeriniative, die mit 30.000 gesammelten Unterschriften die größte in Bayern ist.“ Um die Sprecher Sandra Krause und Fred Leitenberger hätten sich viele „harte“ Mitstreiter geschart. Die Bürgermeister Gerhard Loy und Albrecht Dietel sahen sich gegenüber den Gemeindebürgern in der Pflicht. „Die hohe Lebensqualität hier, auch bedingt durch die schöne Landschaft, ist schützenswert für die Bürger.“ Der Bund Naturschutz stehe seit vielen Jahren im Kampf zum Erhalt der Natur und gegen Luftverschmutzung. Udo Benker-Wienands sagte: „Die schlechte Luft ist immer mehr besetzt vom Verkehr anstatt wie früher von Kohlekraftwerken.“ Die geschätzten Kosten für eine mögliche Fichtelgebirgsautobahn in Höhe von einer halben Milliarde Euro würden genau dem Betrag entsprechen, den die Bundesrepublik, auf fünf Jahre verteilt, den von der Flut betroffenen Ländern in Südostasien zum Wiederaufbau zur Verfügung stellt. Als maßlos bezeichnet er das Verhalten von George Bush, der zusätzlich 80 Milliarden Dollar zur Kriegsführung in Afghanistan und im Irak verlange. „Die Fichtelgebirgsautobahn ist nichts anderes als Ausdruck dieser Maßlosigkeit“, sagte Benker-Wienands. Die Demonstrationen zum 1. Mai am Waldstein werden auch 2005 fortgeführt, kündigte er an. Der Kreisvorsitzende bezog in seinem Dank auch die BN-Kreisgruppe Wunsiedel mit ein, die ebenfalls den Widerstand „sehr getragen“ habe. Fred Leidenberger von der Bürgerinitiative betonte angesichts des Preises: „Das tut gut!“ Seit vier Jahren habe man sich abgestrampelt, um die Autobahn mit dem Waldsteintunnel zu verhindern. „Wir haben zwar keine faulen Eier, aber dafür viele Anfeindungen und auch Drohbriefe bekommen.“ Er habe erst lernen müssen, dies wegzustecken, und bezeichnete es als unglaublich, wie der Widerstand gewachsen sie. Es sei eine Lawine losgetreten und der „Schulterschluss“ zwischen der Bevölkerung der Landkreise Hof und Wunsiedel erreicht worden. Sprecherin Sandra Krause nutzte den erhaltenen Preis, um den Mitstreitern der Bürgerinitiative Dank zu sagen. „Unter dem Strich stehen massenhaft Menschen dahinter, die mitgearbeitet und den Protest organisiert haben.“ Man habe damit sehr viel erreicht. „Ohne den Aufschrei in der Region wäre die Fichtelgebirgsautobahn in den vordringlichen Bedarf hineingerutscht“, sagte Sandra Krause. Solange es Bürgermeister und Lokalpolitiker gebe, die die Bürgerinitiative anschieben, werde der Widerstand nicht erlahmen. „Gemeinsam sind wir stark“, meinte Bürgermeister Gerhard Loy zur Auszeichnung, „deshalb haben wir den Teilerfolg erreicht.“ Der Bürgermeister erinnerte daran, dass Sparneck die erste Marktgemeinde gewesen ist, die nach Bekanntwerden der Pläne für eine Fichtelgebirgsautobahn eine Resolution im Gemeinderat dagegen verabschiedet hat. Welches Ausmaß solche Eingriffe in die Natur haben, machte Loy am begonnenen Ausbau der B 303 bei Bischofsgrün fest. „Das ist erschreckend“, betonte er. Man dürfe sich deshalb nicht von honorigen Argumenten blenden lassen, sondern müsse auch in Zukunft die Augen offen halten. Stolz zeigte sich Albrecht Dietel angesichts der Auszeichnung: „Ich nehme den Preis gerne an, auch im Namen meiner Zeller Mitbürger, die viel mitgekämpft haben“, sagte er. Man habe in der Vergangenheit viel Überzeugungsarbeit leisten müssen und manchmal auch etwas Härte an den Tag legen müssen. Der Widerstand sei nur mit der Bürgerinitiative zu leisten gewesen. „Wir müssen weiterhin am Ball bleiben, denn man weiß nie, was im Hinterstübchen gekocht wird. “ R. D. |