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Quelle: Lübecker Nachrichten, 28. Januar 2005 Nach Start der Lkw-Maut: Verkehr sucht SchleichwegeNur wenige Wochen nach Einführung der Lkw-Maut sind Verlagerungen des Autoverkehrs auf den lauenburgischen Fernstraßen deutlich spürbar.Börnsen. Mehr als 17 Jahre ist es her, da knallten in Börnsen und Escheburg vor den Toren Hamburgs die Sektkorken. Damals im November 1987 begann mit der Eröffnung der Autobahn 25 von Geesthacht nach Hamburg eine neue Zeitrechnung. Vorbei die Blechlawinen mit zahlreichen Lastwagen. Heute, mehr als 17 Jahre später, ist die ehemalige Bundesstraße zur Kreisstraße umgewidmet. Die Autobahn verläuft nur wenige hundert Meter weiter südlich. Doch seit drei Wochen fühlen sich viele in die alte Zeit zurück versetzt. Mit Einführung der Lkw-Maut für Autobahnen seit Jahresbeginn fahren wieder bis zu 50 Lastwagen pro Stunde die ehemalige Bundesstraße entlang. Eine Bürgerinitiative ist bereits in Gründung. “Wir haben hier eine Autobahn, damit die Autos dort lang fahren und nicht durch unseren Ort”, sagt Michael Breitkopf. Vor 20 Jahren hat er in Escheburg gebaut. Sei Büro hat er in Börnsen direkt an der B 5. Damals wussten wir, dass die Autobahn kommt. Viele andere haben deshalb auch in Escheburg in Börnsen gebaut. Jetzt erstickten sie im Lärm. “Richtig deutlich wird das Problem erst, wenn im Sommer die Kinder wieder mit dem Fahrrad fahren, in den Gärten gespielt wird und die Leute auf der Terrasse sitzen wollen”, sagt Breitkopf, der soweit es seine Zeit zulässt eine stündliche Strichliste führt. “Wenn erst die Pkw-Maut kommt, haben wir hier wieder die alte Transitstrecke nach Berlin”, fürchtet er. Den Spediteuren mache er keinen Vorwurf. Das sei eine rein politische Sache, bei der man die Nebenwirkungen einfach nicht richtig eingeschätzt habe. Dabei biete sich vor allem die B 5 für Mautsparer an, da sie fast parallel unmittelbar neben der Autobahn verlaufe. Da die ehemalige Bundesstraße vor zwei Jahren zur Kreisstraße heruntergewidmet wurde, sei auch fraglich ob eine Maut für Bundesstraßen etwas bringen würde. Einige seiner Nachbarn hätten bereits damit begonnen, sich in Bürgerinitiativen zu organisieren. Auch er will weiterhin seine Strichliste führen und auf das Problem aufmerksam machen. Offizielle Zählungen gibt es seit der Mauteinführung noch nicht. Auch auf der B 207 habe der Lkw-Verkehr laut Polizist Wolfgang Kiehn seit Einführung der Maut stark zugenommen. Ratzeburg/Gross Grönau. Ratzeburgs Bürgermeister Michael Ziethen ist vorsichtig. Zwar hat auch er beobachtet, dass deutlich weniger Autos und vor allem weniger Lastwagen durch die Stadt fahren. Doch er verweist darauf, dass allein der wachsende Verkehr diesen Effekt wieder zunichte machen dürfte: “Laut unseren Verkehrsgutachten werden in den nächsten sechs Jahren so viele Autos neu zugelassen, dass die schiere Menge der zusätzlichen Wagen zu einer ähnlichen Belastung führen wird, wie wir sie vor Öffnung der A 20 hatten.” Zudem muss die B 208 in Ratzeburg von März an wieder viele Autos von Baufirmen verkraften, die aus dem Mecklenburgischen kommen und in Schleswig-Holstein und Hamburg arbeiten. Die machen jetzt Pause und entlasten so die Straße. Ziethen sagt, die Stadt halte an ihrem Vorhaben fest, die B 208 zumindest nachts für Lastwagen zu sperren. Deutlich weniger Verkehr im Dorf, aber nicht die gleiche Entlastung beim Schwerverkehr – das ist das vorläufige Fazit von Groß Grönaus Bürgermeister Hans-Georg Weißkichel. Er beobachtet – und hat sich das auch von Anliegern bestätigen lassen –, dass die B 207 zunehmend von Lastwagenfahrern, die die Maut sparen wollen, als Ausweichstrecke genutzt wird. Ein Blick auf die Kennzeichen der Laster scheint des Bürgermeisters Aussage zu bestätigen. |