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Quelle: Landeszeitung, 14. Januar 2005 Schwere Last mit LasternMaut-Sparer auf den BundesstraßenVon Carlo Eggeling ca Melbeck. Ob nach Einführung der Lkw-Maut mehr Laster durch Melbeck rollen? Eine schwierige Frage für Manuela Hoeppner, sie zögert: “Nein, würd' ich vom Gefühl her sagen.” Aber so genau weiß die Mitarbeiterin der Shell-Tankstelle es nicht. Verständlich, denn wer den Verkehr auf der Bundesstraße 4 eine Weile beobachtet, hat das Gefühl, als wälzten sich die Kolosse wie ein endloser Wurm ohne Unterlass durch das Dorf. Der Wurm könnte noch dicker geworden sein, denn einige Spediteure weisen ihre Fahrer an, über Landstraßen zu zuckeln, um die Gebühren auf den Autobahnen zu sparen, die seit Jahresbeginn erhoben werden. “Für Rücktouren beispielsweise aus Lübeck nutzen wir Bundesstraßen”, sagt Sven Lambrecht. Er plant als Disponent für die Uelzener Spedition Kobernuss die Routen für die 65 Fahrzeuge starke Flotte. “Für die Hintour bezahlt der Kunde die Maut auf der Autobahn. Aber zurück nicht.” Also geht es über Ratzeburg und Lüneburg heim nach Uelzen. Die Zeit falle nicht ins Gewicht: “Zehn Minuten mehr.” Auch der Lüneburger Transporteur Karl Schestak erzählt: “Wir fahren Bundesstraßen, wo wir können, vor allem in Süddeutschland. Oder würden Sie nicht sparen? Aber es kommt auf die Tour an.” Geht es aus dem Norden ins Ruhrgebiet, rollen die neun Lastzüge der Firma über Autobahnen. Anders ist es bei der Spedition Hiller. Dort sagt Dennis Schmidt: “Für Bundesstraßen haben wir keine Zeit. Bremen-Hamburg dauert über die Landstraße eine dreiviertel Stunde länger.” Auch Meiko Quente, von der gleichnamigen Spedition, lässt die 17 Lkw europaweit über Autobahnen laufen: “Es ist schneller.”Bei der Fahrt über anderen Strecken fielen zudem höhere Sprit- und Abnutzungskosten an. Ob Fernfahrer ihre Trucks von den Haupt- verstärkt auf Nebenstrecken lenken, bleibt spekulativ. Das Lüneburger Straßenbauamt hat noch keine Zahlen vorliegen. Auch die Polizei kann für die Kreise Lüneburg und Uelzen nur einen Eindruck bilanzieren. Hauptkommissar Michael Zidorn vermutet, es seien kaum mehr Laster auf den Bundesstraßen unterwegs, “wir hatten keine Behinderungen oder Staus. Aber selbst wenn es tausend mehr sind, verliert sich das in der großen Fläche.” Auf der anderen Seite der Elbe, drüben in Lauenburg, stöhnen Anwohner der B 209 und der B 5. “Uns liegen Beschwerden vor,” berichtet Hauptamtsleiter Thomas Burmester. Bauamtsleiter Reinhard Nieberg wohnt an der Berliner Straße: “Vorher war gegen 22 Uhr Ruhe, jetzt rumpeln die Lkw die Nacht durch.” Durch die Stadt rauschen Lkw-Züge, die von Lübeck runter kommen, und Laster, die Fracht aus Braunschweig vielleicht nach Büchen bringen. Dann öffnet sich noch das Tor zum Osten – die Brücke in Richtung Boizenburg im Mecklenburgischen: Täglich etwa je 20.000 Fahrzeuge kurven über die B 209 und die B 5. “Rund 30 Prozent davon sind Lkw, das ist eine Menge”, erklärt Nieberg. Denn sonst liege der Brummi-Anteil auf Bundesstraßen im Schnitt bei 20 Prozent. Die Stadt plant eine neue Verkehrszählung, um Klarheit über die neue Belastung zu erhalten. Aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg kommt Fernfahrer Jörg Arbeiter mit Wellpappe an Bord. “Der Chef sagt, wir sollen bei Rücktouren so wenig wie möglich Autobahn fahren.” Wenn er über Schnellstraßen von Lübeck nach Soltau steuere, seien rund 30 Euro Maut fällig. Die zahle der Kunde, aber für den Rückweg müsse der Spediteur den Betrag löhnen. Also nimmt Arbeiter 45 Minuten mehr Fahrzeit in Kauf. “Es sind mehr Ausländer auf den Bundestraßen unterwegs, gerade aus Osteuropa", hat Arbeiter beobachtet. “Die haben wohl das Geld für die Maut nicht.” Auch wenn Lauenburg unter der Lasterlawine ächzt, ein paar Kilometer weiter in Hohnstorf sieht der Pächter der Star-Tankstelle, Olaf Behrendt, die Lage etwas entspannter: “Ich glaube nicht, dass es eine Zunahme gab. Aber wir liegen an einer Durchgangsstraße, über die immer viele Lkw fahren.” |