Quelle: Isenhagener Kreisblatt, 4. Januar 2005

“Zur Not auch Maut auf der B 4”

Rollen jetzt mehr Lkw durch das Isenhagener Land? / ADAC erwartet keine Zunahme

Groß Oesingen/Sprakensehl. Die Lkw-Maut wird auch das Isenhagener Land betreffen – indem mehr Lkw-Verkehr auf die B 4 ausweicht. Das zumindest ist die Vermutung von Groß Oesingens Bürgermeister Friedhelm Dierks: “Ich denke schon, dass wir dadurch mehr Lkw-Verkehr bekommen.” Dierks sagte, er habe schon Sonntagabend, als das Sonntagsfahrverbot endete, das subjektive Gefühl gehabt, dass das Aufkommen an Schwerlastverkehr zugenommen hat.

Ein paar Kilometer weiter nördlich rechnet Sprakensehls Bürgermeister Wolfgang Gartzke nicht mit einem gewaltigen Maut-Effekt für seinen Ort: “Die ganz große Masse an Lkws erwarte ich hier eher nicht.” Schließlich stünden Spediteure unter Zeitdruck, und da biete sich die B 4 wohl eher nicht als Alternativ-Route zur Autobahn an.

Die B 4 als noch stärker befahrene Last-Trasse? Was genau da kommen wird, weiß noch keiner. Bei der Gifhorner Polizei jedenfalls gibt es nach Angaben des Verkehrsfachmanns Reinhard Preuß “schon Vermutungen”, aber noch keine Erkenntnisse. Die Annahme, dass die B 4 als Ausweichstrecke zur Mautvermeidung genutzt werden könnte, liege nahe, zumal zwischen Braunschweig und Uelzen nur wenige Ortschaften liegen. Auf verstärkte Lkw-Kontrollen habe man sich in der Polizeiinspektion aber bislang nicht eingestellt. Das werde weiterhin im Rahmen des normalen Streifendienstes erfolgen, zudem werde es wie gehabt “mindestens zwei Lkw-Kontrollaktionen” pro Jahr geben.

Bei der Landkreisverwaltung sieht man die mögliche Verkehrszunahme im Schatten der Lkw-Maut entspannt: Verkehrsamtschef Reinhold Mederacke verweist darauf, dass das Gesetz es schon jetzt ermögliche, bei Lkw über 12 Tonnen “auch auf der B 4 nötigenfalls Maut zu kassieren” – falls sich bemerkbar macht, dass die Strecke in erheblichem Maße als Maut-Ausweich-Route genutzt wird. Dieses “erhebliche Maß” zu definieren, sei allerdings Sache des Bundes.

Man könnte die B 4 den Spediteuren damit also wieder madig machen. Dass es gar nicht erst zu einer nennenswerten Mehrbelastung der B 4 kommen wird, glaubt man derweil bei Deutschlands größtem Automobilclub: Um sich als Ausweichroute für die A 7 zu eignen, sei die B 4 zu weit weg, sagte ein ADAC-Sprecher. Laut einer Veröffentlichung in der ADAC-Motorwelt gehen die Verkehrsexperten davon aus, dass vor allem die autobahnnahe B 3 zwischen Soltau und Hannover mehr Lkw verkraften müssen wird.

Im Gifhorner Südkreis ist man derweil wachsam, was die Zunahme des Schwerlastverkehrs angeht. Die Samtgemeinde Papenteich hat bereits im Dezember in Meine ein Zählgerät eingesetzt. Über 44.000 Fahrzeuge waren dort innerhalb von 119 Stunden registriert worden, davon 3.700 Lkw (ein Anteil von 8,5 Prozent). Laut Rainer Borgfeld vom Papenteicher Ordnungsamt ist man “dran an dem Thema”, in diesem Jahr soll es weitere Messungen geben.

Das Messgerät hat die Samtgemeinde Papenteich übrigens gemeinsam mit der Samtgemeinde Wesendorf angeschafft – und Groß Oesingens Bürgermeister Dierks will es nun, nach Einführung der Maut, auch in seiner Gemeinde bald einmal zum Einsatz kommen lassen.

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