Quelle: Landeszeitung, 3. Januar 2005

Keine Bezirksregierung, aber das Ohr vor Ort

Harald Ottmar leitet ab heute die neue Regierungsvertretung

seb Lüneburg. Wer sich mit Zeitungsleuten trifft, stellt sich vorher oft die Frage: Was sage ich denen? Auch Harald Ottmar hat sich diese Frage gestellt. Heute nimmt er seine Tätigkeit als Leiter der so genannten Regierungsvertretung auf, die im Zuge der Abschaffung der vier Bezirksregierungen von den Verwaltungsreformern geschaffen wurde. Sie sind einmalig in Deutschland und ihr Aufgabenprofil steht auf vielen Seiten Papier, in feinstem Amtsdeutsch formuliert. Aber wie wird die Arbeit tatsächlich aussehen, was kommt auf Ottmar und seine 70 Mitarbeiter zu?

“Sicherlich müssen sich die Aufgaben im Laufe der Zeit entwickeln, aber man kann schon jetzt sagen: Im Kern geht es um drei Säulen”, erläutert Ottmar. Sein Amt vertritt sechs Ministerien und die Staatskanzlei von Ministerpräsident Christian Wulff. Sie ist Bindeglied zwischen den Zentralen in der Hauptstadt und den Menschen, Behörden und Institutionen vor Ort. Wer von einer Mini-Bezirksregierung spricht, handelt sich den denkbar größten Unmut der Verwaltungsreformer aus dem Innenministerium ein.

Die drei Säulen beschreibt Ottmar so: “Zum einen geht es um strukturelle Dinge, zum anderen um hoheitliche Aufgaben. Und schließlich um interne Aufgaben der Landesregierung, wie beispielsweise das Ausbildungswesen oder die Job-Börse.”

Zu den “strukturellen Dingen” gehören unter anderem: Europa-Angelegenheiten wie die Aquise von Fördermitteln. Raumordnungsverfahren, wie sie beispielsweise für den Bau der A 39 erforderlich sind. Koordination, Beratung und Begleitung von Projekten wie der Süderelbe AG. Hoheitliche Aufgaben sind beispielsweise das Stiftungswesen, Enteignungsverfahren, Koordination der Schwarzarbeits-Bekämpfung, das Vergabewesen (Beratung, Kontrolle) mit Sitz der Vergabekammer in Lüneburg.

Der Praxistest für die Regierungsvertretung beginnt heute. Ottmar, verheiratet und Vater einer Tochter, ist sich der Problematik sehr wohl bewusst. Auf der einen Seite sind sechs Minister mit ihren Staatssekretären und eingespielten Apparaten sowie die Staatskanzlei, auf der anderen Seite seine neue “Behörde”, die die Regierung in der Fläche vertreten soll. Kompetenz-Streitigkeiten scheinen unvermeidbar. Oder? Ottmar sieht das gelassen: “Es kann doch nur gut sein, wenn die Landesregierung in der Fläche ein offenes Ohr hat, das die Probleme vor Ort kennt und nach Hannover transportiert. Und die Menschen in der Region können sich an uns wenden, wohlwissend, dass wir ihre Anliegen nach Hannover transportieren.”

Wie sich die Regierungsvertretung in der Praxis bewährt, stellt sich ab heute heraus. Ottmar sagt: “Ich bin nur so gut wie die Mannschaft, die hinter mir steht. Wir wollen gemeinsam die Regierungsvertretung zum Leben erwecken. Und ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt.” Mit dem Motto “Es ist wie es ist” kam der gebürtige Salzgitteraner Ottmar bislang gut zurecht. Deshalb sagt der trainierte Mittelstreckenläufer: “Lamentieren hilft nichts.” Los geht's.

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