Quelle: Schweriner Volkszeitung, 20. Dezember 2004

Stadtnah, aber EU-konform

Trassenführung A 14 durch die Prignitz steht fest

Wittenberge/Prignitz. Seit gestern ist das Raumordnungsverfahren für den Bau der A 14 abgeschlossen. Der Trassenverlauf durch die Prignitz steht fest, und der bringt vor allem Wittenbergern erhebliche Lärmbelästigung. 30 der 150 Autobahnkilometer führen durch Brandenburg. Von der Elbbrücke aus verläuft die Trasse bis zur B 195 auf der jetzigen Bundesstraße B 189, führt im weiteren Verlauf in Richtung Karstädt westlich an Lindenberg und Bentwisch, weiter an Dergenthin und Nebelin vorbei. Hinter Karstädt wird die Trasse parallel zur B 5 verlaufen und trifft zwischen Groß Warnow und Pinnow auf das Mecklenburger Teilstück.

Im Bereich Wittenberge schlagen Landesplaner die stadtnahe Trasse W 3.2 vor. Dietmar Szidat von der Landesplanungsabteilung sprach bei der gestrigen Vorstellung im Rathaus Wittenberge von einer “bedingt verträglichen” Variante. Im Lärmbereich seien “erhebliche Auswirkungen” zu erwarten: “Bei 37 Wohneinheiten werde der gesetzlich zulässige Lärmpegel überschritten.” Deshalb sind Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen, zum Beispiel eine Lärmschutzwand oder Spezialfenster. Ebenso sei mit Beeinträchtigungen des Ausblicks und des Landschaftsbildes zu rechnen.

Die Stadt und die Abgeordneten hatten sich für die von der Stadt entferntere Variante W 3.1 ausgesprochen. Doch EU-Gesetze zum Naturschutz würden dagegen sprechen. Insbesondere das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet “Krähenfuß” sei gefährdet. “Das kann man gut oder schlecht finden, aber an EU-Vorgaben sind wir gebunden”, erklärte Staatssekretär Reinhold Dellmann. Juristen des Brandenburger Verkehrsministeriums sind sich einig: die stadtferne Variante sei nicht zustimmungsfähig. Aufgrund dieser eindeutigen Rechtslage und der vorhandenen Alternative habe man mit der EU über keine Ausnahmeprüfung gesprochen. Dazu bestand keine Notwendigkeit, bekräftigten Szidat und Dellmann. Ähnlich sensibel sei der Bereich Dergenthin und Nebelin. Dort seien auf Grund des zu erwartenden Verkehrslärms Umsiedlungen denkbar. Mit betroffenen Bürgern werde darüber gesprochen.

Der weitere Ablauf sieht 2005 die Linienbestimmung durch das Bundesverkehrsministerium vor, 2006/07 werde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet.

Klaus Petry, Bürgermeister Wittenberge: Für Wittenberge ist es die denkbar ungünstigste Variante. Die Planer haben ihre Möglichkeiten nicht ausgeschöpft. Ein Prozess oder ein Klageverfahren der EU steht ja nicht fest, Alternativen zur stadtnahen Variante gibt es, die für den “Krähenfuß” sogar noch verträglicher sind.

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