Quelle: Wolfsburger Nachrichten, 19. November 2004

Initiatorin: “Ich denke gar nicht daran”

Straßenbauamt fordert Tiddischer A 39-Gegner auf, Protestschilder unverzüglich zu entfernen

Von Christiane Schacht

TIDDISCHE. Die Schilder und Plakate, mit denen Hildegard Stünkel aus Tiddische ihren Protest gegen die geplante Verlängerung der Bundesautobahn 39 demonstriert (wir berichteten), müssen weg. Und zwar “kurzfristig”, wie das Straßenbauamt Wolfenbüttel in einem Schreiben an die A 39-Gegnerin auffordert.

Hildegard Stünkel jedoch bleibt gelassen. “Ich denke gar nicht daran, dass die weg sollen”, erklärte die Tiddischerin gestern auf Anfrage. Zum einen “ist das Wetter ja gerade schlecht und wir sind erkältet”, zum anderen benötige sie dafür die Hilfe der Jungen Gesellschaft, die die Schilder auch hergestellt und beim Aufstellen geholfen hat. Und ein anderes Argument gegen das Entfernen wiege noch viel stärker: “Warum sollen wir unsere Meinung nicht äußern dürfen, wenn uns im Wahlkampf von jeder Laterne irgendein Politiker angrinst oder ganz in der Nähe ein Riesenschild auf die Vermarktung des neuen Baugebietes hinweist?”

Für das Straßenbauamt sieht die Rechtslage jedoch anders aus. Die Plakate und Schilder sind am Zaun von Ehepaar Stünkel sowie auf einem benachbarten Grundstück angebracht beziehungsweise aufgestellt worden. Das Haus der Stünkels befindet sich an der freien Strecke der Landesstraße 291, das heiße: außerhalb der für Tiddische und Hoitlingen festgesetzten Ortsdurchfahrtsgrenzen. “Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Schilder aller Art innerhalb einer vom Gesetzgeber vorgesehenen 20-Meter-Verbotszone nicht aufgestellt werden”, wurde Hildegard Stünkel belehrt. Dieses Aufstellverbot sei unter anderem deswegen vorgesehen, damit “die Sicherheit und Leichtigkeit des fließenden Verkehrs nicht beeinträchtigt wird.” Am Straßenrand aufgestellte Schilder würden die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer auf sich ziehen – was ja auch gewollt sei – so dass aber eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden könne.

Nun gut, räumt Hildegard Stünkel ein, Wirkung hätten die Schilder tatsächlich auf die Verkehrsteilnehmer. “Seitdem wir die Schilder Anfang Oktober aufgestellt haben, hat sich der Verkehr hier deutlich beruhigt. So ruhig war es noch nie.” So hat für Stünkel die Aktion einen positiven Nebeneffekt, den sie nicht missen möchte. Hauptargument für sie, die Schilder stehen zu lassen, ist aber nach wie vor ihr Protest gegen den Plan, “Tiddische und Hoitlingen zu trennen”.

Deswegen will sie abwarten, erst einmal die Rechtsgrundlage prüfen. Stünkel resümiert: “Schließlich stehen die Schilder seit Oktober hier, und keiner hat etwas dagegen gehabt.”

A 39-Sympathisanten jedoch waren sie sehr wohl ein Dorn im Auge. Nach der Kundgebung hatten Unbekannte sämtliche Schilder beschmiert und zerstört. In mühevoller Arbeit hatten die Stünkels und die Junge Gesellschaft dann neue Plakate her- und aufgestellt.

Inzwischen hätten sich die unbekannten Täter, das berichtete Stünkel am Donnerstag, in einem anonymen Brief als “A 39-Befürworter zu der Antiautobahnaktion in Tiddische bekannt”. Die angeblich vier Personen aus Wittingen, die sich “die Geister der A 39” nennen, hätten zugegeben, dreimal in Rade, einmal in Tiddische zerstörerisch tätig geworden zu sein.

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