Unveröffentlichter Leserbrief von Dr. Lars Wohlers, Heiligenthal, an die LZ, 27. Oktober 2004

Finanzpolitisches Schlagloch A39

“Risse auf eiem Kilometer Länge” (LZ 14.10.2004, S. 10)
“Selbst Kopfstände reichen nicht mehr” (LZ 15.10.2004, S. 7)

Die A39 ist offiziell mit dem höchsten naturschutzfachlichen Risikopotenzial behaftet. Bekannt bei Planern und Politikern ist auch, dass die A39 rein wirtschaftlich betrachtet deutlich schlechter abschneidet, als bspw. ein Ausbau der vorhandenen Bundesstrassen. Und dass die A39 bei der Bevölkerung auf keinerlei Unterstützung trifft, wissen wir spätestens, seitdem die Autobahn-Planer sich Anfang des Jahres endlich trauten, mit ihrem Vorhaben an die breite Öffentlichkeit zu treten. Aber lassen wir naturschutzfachliche und soziale Belange der Autobahnplanung einfach mal beiseite und beschränken uns auf einen einzigen der Wirtschaftsaspekte – die Erhaltungskosten für eine solche Nonsens-Autobahn.

Seit Monaten läßt sich in der LZ verfolgen, was schon der Erhalt nur unseres lokalen Strassennetzes kostet – Unsummen. Ob es dabei nun um die Ostumgehung geht, die Reparatur von Kreisstrassen, etc., es “schlaglocht” an allen Ecken und Enden. Bereits heute wird die Hälfte (!) aller Bundesmittel für den Strassenbau ausschließlich in Erhaltungsmaßnahmen gesteckt, Tendenz steil ansteigend. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DWI) hat im Auftrag der Bundesregierung den Finanzbedarf für den Erhalt der Bundesverkehrswege für die kommenden 10-15 Jahre ermittelt. Ergebnis: In den alten Bundesländern müßte “zeitweise das gesamte zur Verfügung stehende Finanzvolumen in die Erhaltung fließen”. Auch wenn unsere Lokal- und Landespolitiker möglicherweise wie seinerzeit der Bundesverkehrsminister Stolpe “massiv von der IHK bearbeitet” worden sein sollten (O-Ton Hedi Wegener), lassen sie sich von Fakten leiten, wagen Sie einen Blick in die finanzpolitische Zukunft unseres Landes und unserer Republik – lassen Sie ab vom finanzpolitischen Schlagloch A39 und überlegen Sie gemeinsam, welche der aktuellen, großen gesellschaftspolitischen Schlaglöcher sich mit dem Geld nicht sinnvoller stopfen liessen.

Dr. Lars Wohlers
Böhmsholzer Weg 22
21394 Heiligenthal