Quelle: Der Kreisbote, 26. Oktober 2004

Wir brauchen das dritte Gleis!

Täglich sehe ich Güterzüge in Radbruch einen Zwischenstopp einlegen, um den IC Hamburg Hannover vorbeizulassen. Auch der Metronom um 16:55 ab Hamburg hält in Winsen länger als erforderlich, um einen ICE vorbei zu lassen. Um diese Zwangspausen zu beseitigen, ist das 3. Gleis zwischen Lüneburg und Stelle dringend erforderlich, dies verkürzt die Fahrzeiten für die Pendler nach Hamburg und verbessert die Anbindung Lüneburgs an den größten Rangierbahnhof Europas in Maschen. Trotz des verkehrspolitischen Ziels der Bundesregierung Straße und Schiene mit Finanzmitteln in gleicher Höhe auszustatten zeichnet sich ab, dass für die Straße 30% mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Regelmäßig fahre ich über die B 4 von Adendorf nach Braunschweig. Selbst am Freitagnachmittag gibt es auf der B 4 keinen Stau. Für die Strecke benötige ich eine Stunde und 35 Minuten. Die Umgehung um Uelzen und die neue Brücke über den Mittellandkanal haben hier zu einer Fahrzeitverkürzung beigetragen. Die A 39 ist hier nicht erforderlich.

Das dritte Gleis wird nach kostenintensiver Planung nicht gebaut, aber an der unnötigen A 39 wird weiter festgehalten. Es ist für mich unverständlich, warum der Trend zu mehr LKW-Verkehr weiter unterstützt wird, wo doch der Schienenverkehr deutlich umweltfreundlicher ist.

In der Schweiz wurde der Regierungsvorschlag über den weiteren Ausbau der Autobahnen, mit einer zweiten Röhre für den Gotthard-Tunnel, in einem Volksentscheid abgelehnt. Die Schweiz setzt auf die Verteuerung des Straßengüterverkehrs durch die Erhöhung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) und auf eine Förderung des Schienenverkehrs. Der kombinierte Verkehr mit Containern, LKW Trailern und Wechselaufbauten für LKW und Bahn, die auf Eisenbahnwagen verladen werden und die "Rollende Autobahn", bei der LKWs auf Spezialwaggons der Bahn verladen werden, haben in der Schweiz im 1. Quartal 2004 um 22% und um 30% zugenommen. Der LKW Transit Verkehr ging um 2% zurück. Heute werden 65% der Güter im Transitverkehr auf der Schiene durch die Schweiz transportiert.

Deutschland wird auch immer stärker durch den Transitverkehr in Nord-Süd und in Ost-West Richtung belastet. Es ist auch bei uns Zeit für ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Statt dessen wird der Etat des Verkehrsministeriums für den Schienenverkehr stärker gekürzt als der Etat für den Straßenverkehr. Durch Produktivitätssteigerungen bei der Bahn können Verkehre von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Dipl.-Ing. Reinhard Hillmann
Reini.Hillmann@t-online.de
Eschenweg 1
21365 Adendorf