Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 14. Oktober 2004

Der Lärm ist eine Zumutung

Medinger fordern Schallschutzmaßnahmen entlang der Bahnlinie / Besucher bleiben aus

Bad Bevensen-Medingen. Der Gast im Hotel “Vier Linden” in Medingen war außer sich. Wütend schleuderte er seinen Zimmerschlüssel Hotelier Siegfried Reuter vor die Füße. “Ich komme nie wieder hierher. Das ist eine Zumutung – diese Lärmbelästigung durch die Bahn!” Sprach's und ward nimmer gesehen.

Kein Einzelfall im Hotel “Vier Linden”. Und auch im Medinger Gustav-Stresemann-Institut (GSI) wird die Unzufriedenheit der Gäste immer deutlicher: Tagungsteilnehmer und Urlauber fühlen sich in Medingen zwar ansonsten rundum wohl und gut betreut. Aber: Die Lärmkulisse, verursacht durch die Bahnlinie, lässt immer mehr Gäste den Bevenser Stadtteil meiden.

Wegen des Eisenbahn-Krachs habe das GSI bereits mehrere Tagungsgruppen verloren, bedauert Institutsleiter Frank S. Rödiger. Obwohl man sich mit der Einrichtung sehr verbunden fühle, das Haus sehr schön fände und die Seminare schätze, werde man künftig nicht mehr in die Medinger Erwachsenenbildungsstätte kommen – das geht aus verschiedenen Gästefragebögen hervor, die in den Zimmern ausliegen. “Der Zuglärm ist fast unerträglich. Ein Grund für mich, in Bevensen nie eine Kur zu machen”, heißt es in einem Brief ans GSI.

“Wenn es nicht zu schwerwiegenden Einbrüchen in der Übernachtungs- und Tagungsgastronomie kommen soll”, sind sich Siegfried Reuter und Frank S. Rödiger einig, “dann müssen jetzt Maßnahmen ergriffen werden.” Sie befürchten nicht nur weitere wirtschaftliche Einbußen durch wegbleibende Gäste für ihre eigenen Häuser, sondern auch Folgen für den Kurbetrieb in Bad Bevensen. Ihre Forderung: ein Schallschutzzaun vom Ortseingang Medingen bis zum Ortsausgang Bad Bevensen.

“Die Frequenz der Güterzüge, vor allem während der Nachtstunden, hat erheblich zugenommen und ist den Anwohnern nicht mehr zumutbar”, so Rödiger. Alle drei Minuten, ergänzt Siegfried Reuter, rausche nachts ein Güterzug durch den Ortsteil. Besonders prekär: Der Bahndamm liegt in Medingen teilweise vier Meter über der Wohnbebauung. “Viele Medinger, die an der Bahnlinie wohnen, haben Tücher in ihren Schränken ausgelegt”, weiß Rödiger. “Weil sonst die Gläser durchs Regal wandern.”

Vor vier Jahren, als er mit seiner Frau Jutta das “Vier Linden”übernahm, hatte Siegfried Reuter beim TÜV ein Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis, dass die Lärmbelästigung nicht ganz ausreiche, um die Bahn zu Schallschutzmaßnahmen zwingen zu können. Die Zeiten allerdings hätten sich geändert, die Frequenz der Züge zugenommen, so Reuter.

Er und Rödiger fordern jetzt nicht nur eine erneute Messung durch einen neutralen Gutachter, sondern vor allem auch, dass sich die Bad Bevenser Stadtväter gemeinsam mit den Medingern für eine Verbesserung der Situation stark machen mögen. Außerdem soll eine Initiative von Leuten gegründet werden, die ebenfalls unter dem Lärm der Bahn leiden.

“Wir wollen ja keinen Zoff machen”, betont Frank S. Rödiger, “wir wollen nur gemeinsam überlegen, was man tun kann, damit die Gäste wegen das Lärms nicht einfach wegbleiben.”

Wer sich in der Initiative stark machen möchte, kann sich an Siegfried Reuter wenden: Telefon (0 58 21) 54 40.

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