Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 18. September 2004

Sparen locker die Maut ein

OHE will Rübentransport nach Uelzen auf die Schiene bringen / Teurer Start

Uelzen. Ein erster Versuch scheiterte im vergangenen Februar in allerletzter Sekunde. Nordzucker AG und Osthannoversche Eisenbahn (OHE) hatten schon den Fahrplan für den Rübentransport auf der Schiene ausgeklügelt, vor allem den Rübentransport neuerdings aus der Region Schleswig nach Uelzen, ehe das Projekt doch noch zusammenbrach. “Wir hatten damals noch keine Möglichkeit gefunden, die Container über die Kampagne hinaus die restlichen neun Monate des Jahres zu nutzen”, räumte OHE-Geschäftsführer Dr. Jens Jahnke auf AZ-Nachfrage ein.

Inzwischen ist das Uelzen-Celler Eisenbahn-Unternehmen, das unter anderem Hauptanteilseigner der Metronom-GmbH ist, schon einen Schritt weiter. “Heute wüssten wir, dass es geht”, sagt er. Jetzt allerdings ist der Zug wohl für die laufende Kampagne abgefahren, wohl auch größtenteils für kommende Jahre, weil inzwischen längst ausreichend Lkw angeschafft worden sind – aber angesichts der sich verändernden Zuckermarktordnung wächst der Anteil der so genannten “Fernrübe” von Kampagne zu Kampagne. Allein in der Ostheide nahm der Verkehr in diesem Jahr um mehr als 400 Laster pro Tag zu.

In Uelzen wäre das Projekt “Rüben auf die Schiene” allerdings nicht ohne die Straße ausgekommen. Werkleiter Joachim Rüger: “Wir hätten die Rüben in Schleswig an zwei Standorten in Container verladen. Per Zug mit 50 Container-Einheiten wären sie dann im Uelzener Hafen angekommen, ehe sie auf Lkw in die Fabrik transportiert worden wären.”

Trotz des komplizierten Weges hätte sich der Transport gegenüber der Straßenlösung nicht wesentlich verlängert. “Vom Feld bis in die Fabrik würden wir in beiden Fällen maximal zehn Stunden brauchen”, glaubt Nordzucker-Logistiker Dr. Henrik Einfeld (Braunschweig). Den Hauptvorteil sieht er freilich auf der Kostenseite: “Zurzeit würden sich die Frachtpreise auf Schiene und Straße nicht wesentlich unterscheiden. Künftig würden wir die Maut einsparen.” Und das könne sich auf ein paar Millionen Euro läppern.

Doch auch die OHE profitiere wesentlich davon. Insider gehen davon aus, dass das Frachtvolumen innerhalb kürzester Zeit um nahezu eine halbe Million Tonnen wachsen könne, und damit um fette 40 Prozent. “Die Eisenbahn-Gesellschaft dürfte ein riesiges Interesse daran haben, ins Geschäft zu kommen,” weiß ein Insider.

Ein Geschäft, das allerdings zunächst mal mindestens zehn Millionen Euro Anschubkosten verursachen würde. “Das müssten wir langfristig finanzieren,” sagt Dr. Jahnke. Währenddessen hat der Dachverband der Autobahn-Gegner schon den Schuldigen der im Februar verpatzten Schienen-Transports ausgespäht. Deren Vorsitzender Eckehard Niemann: “Die CDU-Landesregierung hätte die Bürgschaft übernehmen müssen.” Ganz so weit mag sich Dr. Jahnke freilich nicht aus dem Fenster lehnen: “Immerhin ist die Landesregierung Anteilseigner an der OHE. Eine Bürgschaft hätte zu einseitiger Wettbewerbs-Verzerrung geführt.” Um jetzt das Problem der Anschub-Finanzierung zu umschiffen, ist an “Einlagen-Erhöhung anderer Anteilseigner” gedacht.

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