|
Quelle: Land & Forst 30/04, 22. Juli 2004 Landwirte als die HauptbetroffenenDie von fast allen Parteipolitikern massiv geforderte Autobahn A 39 ist nach den offiziell-staatlichen Verkehrsuntersuchungen (VUNO 95 und 02) absolut unsinnig. Diese “zerstörerische Nonsens-Autobahn” soll vor allem über landwirtschaftliche Flächen hinweg gebaut werden. Die vorgeschriebene Berücksichtigung des “Schutzguts Boden” (und seiner natürlichen Fruchtbarkeit) lassen die A39-Planer derzeit arrogant beiseite, um freie Planungs-Bahn zu haben (einer der ersten gravierenden Verfahrensfehler!). Selbst die von Landvolk, Landwirtschaftskammer und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gemeinsam eingeforderte Betroffenheitsanalyse Landwirtschaft fehlt bisher. Die A 39 versiegelt je Kilometer Autobahn etwa 5 ha Fläche und verschlingt außerdem weitere 5 bis 10 Hektar für Ausgleichsmaßnahmen, Zuwegungen, Abfahrten und für Baumaschinen-Plätze. Die Folge dieser Land-Verknappung: eine erhebliche Steigerung der regionalen Pachtpreise. Die zusätzliche Zerschneidungs-Wirkung führt nicht nur zum Verlust hofnaher Flächen (hofnaher Weideflächen), zu langen Wegen und zu teilweise unlösbaren, existenzbedrohenden Problemen mit Beregnungsanlagen (während deren Kappung), sondern oft auch zu Zwangs-Flurbereinigungsgemeinschaften, bei der alle Landwirte anteilig auf einen Teil ihrer Flächen verzichten müssen. Wer Land verliert, durch den Aufkauf im Vorwege oder unter dem Druck einer drohenden Enteignung, der wird nur den vorher üblichen Verkehrswert erhalten. Die passenden Ersatzflächen wird er aber wegen der verknappten Flächenlage nicht für diesen Preis bekommen (wenn überhaupt). Pachtflächen werden unsicher, Verpächter meiden z.T. “unsichere” Pächter auf der Autobahntrasse. Unsere Region hat eine gewachsene, moderne und selbstbewußte Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die aber braucht – so eine Befragung in den DLG-Mitteilungen – keine Autobahn, auch wenn viele Firmen natürlich den Mitnahme-Effekt einer Gratis-Autobahn nicht ablehnen. Wirklich brauchen wir aber eine gezielte Schließung von Lücken in der Wertschöpfungskette und Innovationen: d.h. gezielte (!) Ansiedlung fehlender Produkthersteller, ein kreativ-innovatives soziokulturelles Umfeld mit Vernetzungen, Querdenkern, hochkarätigen Forschungs- und Ausbildungsstätten, zum Beispiel ein weiter perfektioniertes und breit angelegtes “Kartoffelnetz”, außerdem den bedarfsgerechten Ausbau vorhandener Verkehrswege. Eckehard Niemann, Dipl. Ing. agr., Sprecher des Dachverbands von 30 Bürgerinitiativen gegen die A 39 |