Quelle: Schweriner Volkszeitung, 2. Juli 2004

A14-Projekt nimmt Planungshürde

Anhörungsphase endet heute / Knapp 160 Einwände eingereicht

Schwerin Eine weitere Hürde für den Bau der A14 von Schwerin nach Magdeburg ist genommen: Heute geht die erste Phase des Raumordnungsverfahrens zu Ende. In den vergangenen fünf Wochen reichten Einwohner etwa 160 Einwände ein. Der endgültige Trassenverlauf durch MV soll im Herbst festgelegt werden.

“Das Interesse der Bürger hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen”, sagt Volker Weinaug, Leiter des Bauamtes Neustadt-Glewe. Etwa 200 Bürger hätten sich in den zurückliegenden Wochen im Rathaus der Stadt über die fünf Trassenvarianten informiert. Hier lagen wie auch in den Stadtverwaltungen von Ludwigslust und Grabow seit 1. Juni sämtliche Unterlagen zur Einsicht aus.

Bürger befürchten zu viel Lärm

“In der Summe haben sich bislang 500 Interessierte in den drei Verwaltungen gemeldet”, so Bernd-Rüdiger Twardokus, stellvertretender Leiter der Abteilung Raumordnung und Landesplanung im Bauministerium. Ersten Einschätzungen zufolge seien etwa 160 Einwände und Hinweise eingegangen.

“Viele Anmerkungen bezogen sich auf Eingriffe in die Umwelt sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität”, sagt der Ludwigsluster Bauamtsleiter Paul-Friedrich Leopold. “Die Hauptsorge galt allerdings dem Lärmschutz”, fasst Twardokus zusammen. Er verweist darauf, dass die Straßenbaubehörde verpflichtet ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmgrenzen auch einzuhalten.

Trotz aller Einwände: Die meisten Bürger identifizieren sich Leopold zufolge mit der Vorzugsvariante der Straßenbauverwaltung. Deren Streckenverlauf ist im Hinblick auf weitere Industrie- und Gewerbeansiedlungen im Städtedreieck Grabow, Ludwigslust und Neustadt-Glewe auch aus Sicht der Wirtschaft der klare Favorit. “Wir brauchen die A14, um bessere Chancen im Wettbewerb um Wirtschaftsansiedlungen zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen. Alle Standorte wie Goldenstädt, Fahrbinde, Groß Laasch und Grabow würden bei der Vorzugsvariante maximal neun Kilometer von der Autobahn entfernt liegen”, so Ulrich Unger. Der Verkehrs-Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwerin betont zudem: “Diese Variante würde die Ortsumgehung Ludwigslust ersetzen.”

Trotz breiter Zustimmung ist der Bau noch nicht in Sack und Tüten. Widerstand regt sich vor allem seitens der Naturschützer. “Verkehrspolitisch nicht zu begründen, steuerpolitisch unvertretbar, naturschutzfachlich nicht durchführbar.” Das ist die Einschätzung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Ende der Frist. Der BUND gilt als Hauptkritiker des Autobahnbaus. Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag: “Die Vorzugsvariante würde nach unseren Untersuchungen Naherholungsgebiete zerstören, bisher wenig belastete Lebensräume verlärmen sowie die Grund- und Fließwasserqualität verringern.”

Stolpe: Bund steht zum Autobahnbau

In den kommenden Wochen prüft die Landesplanungsbehörde die Stellungnahmen. “Bei schwerwiegenden Einwänden werden die Kritiker zusammen mit der Straßenbauverwaltung zu einer Erörterungsrunde geladen”, sagt Twardokus. Das Raumordnungsverfahren endet im Herbst mit einer landesplanerischen Beurteilung. Dann kann die genaue Trassenführung festgelegt werden.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hält trotz massiver Kritik an der Infrastrukturförderung in den neuen Bundesländern am Bau der Autobahn fest: “Die A14 wird gebaut. Darüber sind wir uns in der Regierung einig.”

Das Raumordnungsverfahren für den etwa 30 Kilometer langen Abschnitt in Brandenburg wird am Montag eröffnet.

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