Quelle: Freie Presse, 26. April 2004

Dohnanyi für längere Arbeitszeiten im Osten

Regierungsberater will Ost-Infrastruktur weniger fördern

Berlin. Der Regierungsberater Klaus von Dohnanyi hat sich erneut für längere Arbeitszeiten in Ostdeutschland ausgesprochen. "40 oder 42 Stunden zu arbeiten ist nicht unzumutbar, wenn daraus ein spürbarer Wettbewerbsvorteil für die ostdeutsche Wirtschaft entsteht", sagte der für den Aufbau Ost zuständige Berater der Bundesregierung der Zeitschrift "Super Illu".

Die Produktionskosten seien das wichtigste Kriterium für eine Unternehmensansiedlung. Nach wie vor fehle im Osten eine sich selbst tragende industrielle Basis. "Und hier müssen wir gezielt ansetzen, statt das Geld weiter vorwiegend in die Infrastruktur zu stecken", sagte der frühere Hamburger Bürgermeister.

Auch in der Chemnitzer "Freien Presse" sprach sich Dohnanyi dafür aus, weniger Geld in die ostdeutschen Verkehrswege zu stecken. Die Infrastruktur in den neuen Ländern hinke nur noch begrenzt dem Westen hinterher. Investitionsentscheidungen hingen nicht von besseren Straßen ab, betonte der Regierungsberater. Viel wichtiger seien Produktionskosten oder die Ausbildung der Beschäftigten.

Mit Beginn des Solidarpakts II im Jahre 2005 sollte ein Teil der ursprünglich für die Infrastruktur vorgesehenen Mittel für die Förderung der Industrie verwendet werden, forderte Dohnanyi. Den Ländern solle nicht allein überlassen werden, wie die Ost-Hilfen verwendet werden.

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