Quelle: Landeszeitung, 10. April 2004

A 39-Gegner wollen nachlegen

Zurückgehaltenes Exposé soll öffentlich gemacht werden

dub Kirchgellersen. Die A 39 sei dringend notwendig, sie würde die Region voran und wirtschaftlichen Aufschwung mit sich bringen, betonen die Autobahn-Befürworter. Ganz anders sahen das am Mittwochabend in Kirchgellersen die Teilnehmer der Informationsveranstaltung “Wer braucht die A 39 ?”. Weitere Fakten, die gegen das umstrittene Projekt sprechen, kündigte Markus Kristen, Koordinator der Initiative “Keine! A 39”, an. Die Autobahn-Gegner wollen die “richtige Schublade aufgezogen” haben und im Besitz eines “seit 2002 zurückgehaltenen Papiers” sein, das dem Autobahnbau offenbar in Anlehnung an die Verkehrsuntersuchung Nordost (VUNO) in Frage stellt.

Was es genau mit dem 14-seitigen Exposé auf sich hat, bleibt aber vorerst ein Geheimnis der Autobahn-Gegner. “Wir sind dabei, es aufzuarbeiten”, sagt Kristen. Am 28. April, bezeichnenderweise am Tag gegen Lärm, soll das Papier auf einer Pressekonferenz in Hannover vorgestellt werden.

“Wer braucht die A 39 ?” Dieser Frage gingen Renate Backhaus (niedersächsische Landesvorsitzende BUND), Peter Hettlich (MdB, Mitglied im Verkehrsausschuss B 90/Die Grünen), Andreas Meihsies (MdL B 90/Die Grünen) und die mehr als 100 Besucher im Gasthof Cordes aus verschiedensten Blickwinkeln nach. Für sie offenbarte sich die A 39 vor allem als eine Autobahn, die nicht für die Region, sondern lediglich durch die Region hindurch gebaut würde. Mit geringen Effekten für die heimische Wirtschaft, mit großen Belastungen für Mensch und Natur.

Die Autobahn als Wurzel einer blühenden Wirtschaft mochte Renate Backhaus nicht sehen. Die Autobahn löse keine Probleme, verhindere keinen Preiskrieg und Verdrängungsprozess. Vielmehr könne der Discounter sein in Bulgarien, Rumänien oder Tunesien gebackenes 500-Gramm-Brot für 25 Cent noch schneller an den Mann bringen. “Und die EU-Erweiterung wird bei uns vieles verschärfen”, dann stehe nicht nur das Bäckereihandwerk vor dem Ruin. Backhaus mahnte aber auch an, “dass wir alle unsere eigene Mobilität hinterfragen müssen, Teil dieses Prozesses sind”. Mit dem Einkaufswagen könne Verkehr vermieden werden, “wenn wir zum Beispiel auf regionale Produkte setzen”.

Überall gebe es Reformen, nur bei der “Heiligen Kuh Straßenbau” nicht, sieht die BUND-Vorsitzende die “Betonpolitiker” auf dem falschen Weg. Immer weniger junge Menschen müssten immer mehr ältere Menschen mitfinanzieren und dazu immer mehr Straßen unterhalten.

Das in Politik und Wirtschaft hoch angesiedelte “Basta-Projekt” werde im neuen Bundesverkehrswegeplan, der im Mai verabschiedet wird, nicht zu kippen sein, meinte Peter Hettlich. “Aber was kommt danach?”, warf der Bundestagsabgeordnete die Frage nach der Finanzierung auf. Die A 39 wird mit 437 Millionen Euro, die gesamte H-Variante einschließlich A 14 und “Spange” mit bis zu 1,6 Milliarden Euro veranschlagt. “In zehn Jahren werden wir froh sein, wenn wir noch das Geld für Sanierung und Instandhaltung der Verkehrsinfrastruktur haben”, sieht er den “Todesstoß” für manch Verkehrsprojekt auch im so genannten Vordringlichen Bedarf kommen. “Wir befinden uns in einer sehr, sehr schwierigen Situation.”

Andreas Meihsies hob die Umweltrisikoeinschätzung (URE) – sie bewertet die Schwere des Eingriffs (Neubau oder Ausbau, Autobahn oder Bundesstraße und die Schutzwürdigkeit der betroffenen Gebiete – sowie die FFH-Verträglichkeitseinschätzung/Natura 2000 für das Projekt hervor. “Die A 39 hat ein sehr hohes Umweltrisiko, deshalb ist im Bundestag eine Einzelfallentscheidung notwendig. Alle Bedenken müssen ausgeräumt werden”. Und daran glaube er nicht.

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