Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 10. April 2004

Die Meinung auf Biegen und Brechen durchsetzen

Diskussion um den Bau der Autobahn 39 / Dringend notwendige infrastrukturelle Baumaßnahme

“Streit um den Bau der Autobahn 39” (AZ-Berichterstattung und Leserbrief-Diskussion) — Jörg Rittinghaus, Schlieckau:

Nach dem die Autobahngegner zunächst mit Emotionalität und plakativen Schlagwörtern, wie "Autobahngläubigkeit", "Lärm macht krank", etc. versucht haben, gegen eine dringend notwendige infrastrukturelle Baumaßnahme zu agieren, versuchen sie sich jetzt in Wissenschaftlichkeit oder besser "Pseudowissenschaftlichkeit".

Da werden in großen Anzeigen Unternehmer als Autobahngegner aufgeführt, die aufgrund ihres regional eingegrenzten Kundenkreises kaum Vorteile durch den Bau der A 39 hätten. Man sollte davon ausgehen, dass die IHK, Wirtschaftsexperten und vor allem Unternehmen, die nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Wettbewerb stehen, kompetenter in der Beurteilung sind, als Anti-Autobahn-Dogmatiker, die sich einige Statistiken besorgt haben und sie in ihrem Sinne inkompetent und manipulativ Interpretieren.

Es ist ein Trugschluss, dass Unternehmer ohnehin grundsätzlich Arbeitsplätze in "Billiglohnländer" verlagern. Ein hohes Lohnniveau lässt sich größtenteils durch höchste Qualifikation, qualitativ hochwertige Arbeit, Akzeptanz des technisch-ökonomischen Fortschritts und vor allem, durch optimale Transportmöglichkeiten kompensieren. In der Behinderung dieser Notwendigkeiten sind die Deutschen oder besser gesagt, vornehmlich die Ökologiedogmatiker, Weltspitzenklasse. ()

Wie stark unser Land schon jetzt unter der Autobahnbekämpfung früherer Jahre, nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch leidet, zeigt eine Studie der BMW AG. Die staubedingten Kosten in Deutschland summieren sich danach auf 100 Milliarden Euro pro Jahr, vor allem auch da ein Verbrauch von 10 bis 20 Litern pro 100 Kilometer bei Staus bzw. "Stop and go" nutzlos durch den Auspuff geht, während man bei gleichförmiger zügiger Fahrt von 6 bis 7 Litern pro 100 Kilometer ausgehen kann.

Bei Nutzfahrzeugen ist das Verbrauchsverhältnis zwischen Autobahn und Bundesstraße mit Ortsdurchfahrten noch ungünstiger, wie der Spediteur Kobernuss schon angedeutet hat. Man muss sich einmal vorstellen, wenn 40 Tonnen vielmals auf 0 km/h - zum Beispiel vor Ampeln - abgebremst und wieder beschleunigt werden müssen, da kann der Verbrauch auf über 60 Liter, anstelle von 25 Litern auf der Autobahn, ansteigen.

Der enorme Landschaftsverbrauch wird von den Autobahngegnern in völliger Unkenntnis der Tatsachen aufgeführt. Das gesamte Autobahn- und Fernstraßennetz macht nur 0,17 Prozent der Fläche des Bundesgebiets aus, aber es wird ein Drittel der gesamten Fahrleistungen darauf abgewickelt.

Da wir jetzt schon "Staueuropameister", eventuell Stauweltmeister sind, kann man leicht nachvollziehen, dass wir ohne Autobahnnetz eine ökologische Katastrophe hätten. Der Landschaftsverbrauch durch einen A 39-Bau würde nur zirka 0,007 Prozent der Gesamtfläche Niedersachsens ausmachen.

Wäre es da nicht besser, unter Berücksichtigung von Naturschutzbelangen und kompensatorischen Aufforstungsmaßnahmen, eine "umweltentlastende Autobahn" zu befürworten?

Eine fanatische Tendenz liegt meines Erachtens bei den meisten A-39-Gegnern darin, dass sie nicht ergebnisoffen an eine Meinungsbildung zu diesem bedeutenden zukunftsrelevanten Thema herangehen, sondern ihre dogmatisch fundierte Meinung auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen.

www.allgemeine-zeitung-uelzen.de