Quelle: Spiegel Online, 4. April 2004

Anti-Aldi-Protest: “Brot wird heute in Tunesien hergestellt”

Erst die Milchbauern, nun die Bäcker: Immer mehr Branchen protestieren dagegen, dass Aldi und Lidl sie unter ruinösen Preisdruck setzen. Die Discounter seien nur so billig, weil sie im Ausland produzierten.

Berlin. "Das Bäckerhandwerk steht unter einem irrsinnigen Wettbewerbsdruck", sagte Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks der "Bild am Sonntag". Im vergangenen Jahr hätten die Bäckereien einen Umsatzrückgang von neun Prozent verzeichnet. Zwischen 600 und 800 Bäcker hätten aufgeben müssen.

Groebel machte regelrechte Dumpingpreise einiger Discounter verantwortlich sowie Selbstbedienungsbäckereien und Aufbackstationen in den Supermärkten. Die Konkurrenz könne die Preise so stark drücken, weil sie in Billiglohnländern produziere, sagte der Obermeister der Bäckerinnung Köln, Josef Pelzer. "Brot wird heute in Rumänien, Tunesien oder Bulgarien hergestellt."

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, warf den Handelsketten unterdessen vor, den Milchpreis "um bis zu zehn Prozent drücken" zu wollen. "Der Lebensmittelhandel muss mit seinem Preisdumping aufhören", sagte Sonnleitner dem "Focus" laut Vorabbericht aus der Montagsausgabe. Er forderte erneut die Europäische Union (EU) auf, mit einer schnellen Senkung der europäischen Milchquote gegenzusteuern.

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