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Quelle: Pressedienst der Stadt Lüneburg, 26. Februar 2004 A39: Ebensberger haben viele Bedenken(sp) Lüneburg. Irgendeinen Vorteil, den die geplante Autobahn A39 brächte, können viele Bürger am Ebensberg nicht erkennen. Einen Nachteil haben sie ausgemacht: Eine mögliche Trassenvariante könnte in der Nähe ihrer Häuser verlaufen. Das aber sei für Mensch und Natur unerträglich. Angst und Bedenken sind groß. Bei der Bürgerversammlung zur A39 am Mittwochabend reichten die Plätze nicht: Rund 200 Besucher drängten sich im evangelischen Gemeindehaus, viele standen auf dem Flur. Die Ebensberger fordern frei nach Focus-Chefredakteur Helmut Markwort: Fakten, Fakten, Fakten. Und die sollen Gutachten zu Lärm, Umweltverträglichkeit, Verkehrsmengen und Nutzwert bringen. Fachbereichsleiterin Andrea Schröder-Ehlers von der Stadt skizzierte den Verfahrensweg: Jetzt gingen die Gutachter an die Arbeit, vermutlich in einem Jahr werde das Raumordnungsverfahren eröffnet, danach das Planfeststellungsverfahren für einzelne Teilabschnitte beginnen. Zurzeit jedenfall könne noch niemand sagen, wo denn am Ende die Trasse verläuft, im Osten oder im Westen. Die Stadt habe bei der so genannten Antragskonferenz zur A39 vor einer Woche weitere Forderungen eingebracht: Genau untersucht werden müssten zusätzlich die Auswirkungen einer Trasse auf die Menschen, der Lärmschutz, der Abstand zur nahen Wohnbebauung, der Umweltschutz zum Beispiel am Raderbach, die Probleme mit dem Bodendenkmal Landwehr und die Schwierigkeiten bei der Querung des Elbe-Seitenkanals und einer Trassenführung über die Steinhöhe. Auch die Stellungnahme der Aktionsgemeinschaft ,,Lebensberg“ sei beigefügt worden. Oberbürgermeister Ulrich Mädge versicherte, dass die Stadt die Interessen der Bürger am Ebensberg, im Moorfeld, aber auch der Bürger in Kaltenmoor, Bülows Kamp oder Klosterkamp wahren werde. Auch er sehe viele Konfliktpunkte für eine Trasse am Ebensberg, diese seien in der Antragskonferenz auch von der Stadt vorgetragen worden. Gleichwohl aber stehe er zur Forderung, den Verkehrsweg Richtung Wolfsburg zukunftsfähig auszubauen. Dies sei eine alte Forderung der meisten regionalen Politiker. Unterstützung bekam er dafür unter anderem von Dr. Gerhard Scharf von der CDU-Ratsfraktion. Mädge: ,,Das kann eine neue Autobahn sein oder der Ausbau der B4.“ Denn ohne diese Investition in die Infrastruktur werde Lüneburg kaum neue Produktionsarbeitsplätze ansiedeln können, sondern vielmehr Arbeitsplätze in diesem Sektor verlieren. Diese Gefahr bestehe gerade bei den Zulieferern für VW in Wolfsburg. ,,Die Autoproduktion ist in Niedersachsen eine Schlüsselindustrie, und VW fordert von den Zulieferern wie Johnson Controls in Lüneburg ein immer besseres Zeitmanagement. Die Alternative heißt, dass die Zulieferer am Werksgelände ansiedeln und wir Arbeitsplätze verlieren." Doch Lüneburg brauche bei einer Arbeitslosenquote von 15 Prozent eben nicht nur neue IT-Stellen an der ,,Datenautobahn“, sondern auch Arbeitsplätze an der Werkbank. Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Mädge und den Kritikern war die Gewissheit, dass die Verkehrsströme in den nächsten Jahren zunehmen. Und dieser Verkehr mündet auf der Lüneburger Ostumgehung, die heute schon bis zu 42.000 Fahrzeuge am Tag verkraften muss. Als Oberbürgermeister, so Mädge, müsse er auch an die Bürger in Kaltenmoor oder Klosterkamp denken. In jedem Fall müssten auch diese Anwohner künftig besser vor Lärm geschützt werden. Gegner der Autobahn führten ins Feld, dass Lüneburg durch die A39 eher Schaden als Nutzen habe, dass nur der Transitverkehr an der Stadt vorbeirausche, aber keine Arbeitsplätze, sondern nur Lärm und Umweltschäden entstünden und die gute Lebensqualität im ländlichen Raum zerstört werde. Lüneburg, so Peter Weerda von der Initiative Lebensberg, ,,partizipiere davon, dass die Stadt am Ende der A250 liegt“. Viele Bürger im Gemeindehaus favorisierten deswegen angesichts der kommenden Verkehrsströme einen Ausbau des Schienennetzes und der Bundestraße 4, der billiger sei als ein Autobahn-Neubau. Das, so Andreas Meihsies, sei auch eine alte Forderung der Grünen. OB Mädge erinnerte daran, dass erst unlängst auch der Ausbauplan der Bahnstrecke auf der so genannten Y-Trasse zu erheblichem Protest geführt habe. ,,Den werden wir auch in Lüneburg bekommen.“ Denn es müsste eine neue Bahntrasse geplant werden. Überzeugen konnte am Ende keiner den anderen, aber die Diskussion, so Ortsvorsteher Heiko Dörbaum, sei wichtig, damit die erheblichen Bedenken gerade für seinen Ortsteil in Gutachten und Planungen berücksichtigt werden. Für Oberbürgermeister Ulrich Mädge ist eine generelle Verweigerungshaltung, bevor das eigentliche Verfahren beginnt, ein Irrtum: ,,Sich nicht auf den Weg zu begeben, halte ich für total falsch.“ |