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Quelle: Der Kreisbote, 9. September 2003 (ungekürztes Original) Lieber die Bundesstraßen ausbauenHerr Beutler und Herr Graff von den Grünen bauten im Kreisboten vom 12. August die Illusion auf, dass die A 39 aufgrund der besonderen umweltschutzlichen Prüfungen “wahrscheinlich sowieso nicht gebaut werde”. Wir sehen das anders. Bei diesem Winkelzug geht es vielmehr darum, das Projekt juristisch abzusichern, um die nachfolgenden Planungsschritte gegenüber ökologischen Bedenken rechtssicher zu machen. Da diese Prüfungen im Gegensatz zu den ansonsten zu erwartenden gerichtlichen Auseinandersetzungen keine aufschiebende Wirkung haben, können sie den Bau der A 39 sogar noch beschleunigen. Von Hoffnung kann bei den Autobahngegnern also keine Rede sein. Herr Mros weist in seinem Leserbrief vom 19. August darauf hin, dass man sich nicht über eine Autobahn vor der eigenen Haustür aufregen dürfe, wenn man selbst zur Auto-fahrenden Gesellschaft gehöre. Dazu stellen wir fest: Die Aktion Lebensberg, die angesprochen war, wurde als gemeinnütziger Verein von Menschen im Nord-Osten-Lüneburgs, Scharnebecks und Adendorfs gegründet, weil diese Regionen mutmaßlich von der A 39 betroffen sein werden. Darum ist es nur verständlich, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen. Und wir haben seit dieser Zeit einen Haufen an Argumenten auf den Tisch gelegt, die gegen diese Autobahn sprechen. Und mit diesen sollten sich alle Beteiligten auseinandersetzen – unabhängig davon, wer sie aus welchen vermeintlichen Motiven vorbringt. Der Zynismus, den Herr Mros erkennen läßt, bringt uns aber nicht weiter. Wir sind nun einmal Teil dieser Gesellschaft, und Autobahnen haben ihren Platz darin. Sie sorgen für den raschen überregionalen Austausch von Waren, Arbeitskräften und Dienstleistungen und haben ihren Antil an unserem wirtschaftlichen Gefüge. Der Gedankenfehler dabei: der Glaube, die Voraussetzungen, die z.B. für Ostumgehung oder die A 250 galten, gelten auch hier. Und von den Autobahn-Machern selbst so zugespitzt: Arbeitsplätze durch Autobahn – wenn das so einfach wäre, hätten wir in einem Land mit immens hoher Autobahndichte nicht über vier Millionen Arbeitslose und eine Rezession. Wie im Leserbrief von Herrn Kathen (Kreisboten, 26. August) wieder zu lesen war, machen viele bei diesem Thema den Fehler der Vereinfachung. Sie setzen Zukunftsfähigkeit gleich mit Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Und die Verkehrsinfrastruktur setzen sie gleich mit dem Bau einer Autobahn. Beides ist in dieser Einfachheit nicht richtig. Die Tatsache, dass auf einer Straße 130 statt 100 km/h gefahren wird, kann doch nicht zukunftsrelevant sein. Die Konzepte für die A 39 stammen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – indiskutabel für Zukunftsdiskussionen. Die Zukunft dieser Autobahn ist schon vorbei, bevor sie gebaut wird! Was müßte denn wirklich für die Region getan werden? Die Vorteile eines systematischen Ausbaus der Bundesstraßen zwischen Wolfsburg und Lüneburg liegen auf der Hand:
Und – und das vergessen viele, die ihre Hoffnung auf diese Autobahn setzen – die Verkehrsinfrastruktur ist nur ein Puzzlestück von vielen, um der Region auch in Zukunft gerecht werden zu können. Wenn man diese Region voranbringen möchte, braucht man zunächst nachhaltige Konzepte. Dazu akzeptiert man Wahrheiten, auch wenn sie ungeliebt sind. Man ist so klug zu wissen, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortentwicklungen im 21. Jahrhundert langsame, mühsehlige und heterogene Prozesse sind, die nicht eben mal durch Hauruck-Aktionen erwirkt werden können. Man hört auf Studien (wie die VUNO95). Man diskutiert in der Öffentlichkeit Alternativen, um das richtige Vorgehen zu finden. Bei der Umsetzung geht man verantwortungsvoll mit Ressourcen und Geld um. Und man stärkt die Bildung, um den Herausforderungen der Wissensgesellschaft zu begegnen (wir sind keine klassische Produktionsgesellschaft mehr). Und nichts davon ist derzeit Wirklichkeit. Wie sollen wir vor diesem Hintergrund das Versagen der Politik auch vor unserer Haustür in Form des veralteten Prestigeobjekts “A 39” akzeptieren? Stefan KuhlmannVorstandsmitglied für die Aktion Lebensberg e.V. Lüneburg / Ebensberg |