Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 9. September 2003

Berlin als letzter Strohhalm

Umgehung Kirchweyhe: Nur Bundestag kann helfen

kr Kirchweyhe. Die B 4-Ortsumgehung Kirchweyhe kommt, sie genießt höchste Wirtschaftlichkeit, sie fällt wegen der geplanten Autobahn flach – angesichts einer Flut von widersprüchlichen Schlagzeilen weiß der Sprecher der Bürgerinitiative Kirchweyhe, Hans-Jürgen Chlechowitz, allmählich nicht mehr, was er noch glauben soll. Die Hoffnung freilich habe er nicht aufgegeben. Sagt er.

Und diese Hoffnung klammert sich jetzt an einen letzten Strohhalm. Nachdem alle Versuche gescheitert sind, über den Verwaltungsweg eine Lösung zu erzielen, und das Nein bis hoch aus dem Bundesverkehrsministerium kam, startete eine Gruppe um den Uelzener Abgeordneten Dr. Peter Struck jetzt eine politische Initiative. Denn einzig der Bundestag kann die Verwaltungs-Vorlage noch abändern.

Niedersachsens SPD-Abgeordnete im höchsten deutschen Parlament verabredeten jetzt einen solchen Vorstoß. In einem Gespräch in Berlin unter anderem mit Struck, dem Uelzener Bürgermeister Otto Lukat und hochrangigen Vertretern des Verkehrsministeriums, darunter den parlamentarischen Staatssekretär Achim Großmann, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Landesgruppe, die Cuxhavenerin Margrit Wetzel, sie sehe eine “große Chance” für Kirchweyhe.

Argumentationshilfe lieferte Otto Lukat. Zwar sei es durchaus vernünftig, angesichts der geplanten Autobahn die Parallelstrecken, zu denen die B 4 gehöre, nicht weiter auszubauen – anders als in Melbeck jedoch bestehe zwischen Kirchweyhe und der wie auch immer geplanten Autobahntrasse keine räumliche Nähe mehr. Außerdem sei die Uelzener Ortsumgehung nicht komplett umgesetzt. Lukat: “Alle Ortsteile bis hin nach Holdenstedt werden entlastet – außer Kirchweyhe.”

Die Chancen für die Trasse wachsen ferner durch eine große Einigkeit unter allen politischen Kräften Niedersachsens. “Wir hatten ja schon vor Monaten neben der A 39 auch die Kirchweyher Pläne angemeldet, und wir hatten sogar bisher geplante Projekte zurückgestellt, um Kirchweyhe zu ermöglichen”, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer gegenüber der AZ.

Gut möglich nun sogar, dass es dieser Streichung anderer Trassen gar nicht bedarf. Denn die Uelzener Ortsumgehung fiel nach Lukats Erkenntnissen um 1,3 Millionen Euro günstiger aus als zunächst kalkuliert – angesichts von insgesamt 4,6 Millionen Euro Baukosten in Kirchweyhe schon ein erster kräftiger Finanzhappen. Der Rest könne über Beträge finanziert werden, die sich jeweils zum Jahresende in nicht ausgeschöpften Töpfen anderer Projekte fänden.

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