Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 4. September 2003

Die Autobahn ist kein Allheilmittel

Kreisverband Bündnis 90/Grüne lud zur Diskussion ein

bk. Bad Bevensen. “Ich deute ihren Beifall dahingehend, dass wir alle Mut bekommen haben, dass noch etwas zu verändern ist”, sagte Wieland Utermark nach zwei Stunden. Der Kreisverband Uelzen B 90/Die Grünen hatte eingeladen, um Argumente zu sammeln gegen eine Autobahn in der Region, für einen Ausbau der B 4. Diese sollten als Ergebnis dem “Entscheidungsträger”, der an diesem Abend Rainder Steenblock hieß, für die Partei im Bundestag sitzt und dort verkehrspolitischer Sprecher ist, mitgegeben werden.

Gegen eine Autobahn – das schwimmt gegen den Strom, der eine neue Trasse A 39 zum Allheilmittel für neue Arbeitsplätze und Firmenansiedlungen schon vorab feiert. MdB Steenblock wusste allerdings um Studien, die belegen, dass Autobahnen Arbeitskräfte und Betriebe aus dem ländlichen Raum eher in die nächstgelegene Metropole spülen, Kaufkraft abfließen lassen.

Und Claudia Schallhorn von der Bürgerinitiative “Bürger gegen Autobahn” ist in Verbindung mit einem Doktoranden der Universität Göttingen, der zu solchen Auswirkungen am Beispiel der A 44 forscht (Ergebnisse werden im Herbst vorliegen).

Zirka 80 Zuhörer waren gekommen, um sich auch über die Endgültigkeit der Planungen zu informieren. In den sachlich-fundierten Ausführungen von Rainder Steenblock stellte sich heraus, dass ein Projekt A 39/Ausbau B 4 zwar im Bundesverkehrswegeplan 2000 bis 2015 stehe, aber dieser Plan liste 30 Prozent mehr Vorhaben, als überhaupt realisiert werden könnten. Was sich schon aus der Langfristigkeit von 15 Jahren ableiten lasse, denn in dieser Zeit könnten sich Anforderungen und Notwendigkeiten auch verändern.

Außderdem gehöre die A 39 definitiv zu den Objekten, bei denen sich “Politiker in Wahlkämpfen öffentlich aus dem Fenster gelehnt haben”, so der Bundespolitiker. “Das ist ein Projekt, in dem noch viel passieren wird, es ist also noch Zeit, sich einzumischen”, stellte auch Landtagsabgeordneter Enno Hagenah fest.

Es gäbe gute Argumente, ein Projekt A 39 nicht zu realisieren, das war der Tenor des Abends. Bündnis 90/Die Grünen wollen die Diskussion pragmatisch führen. Schon allein die Kostenfrage beweise, dass mit einem B 4-Ausbau viele 100 Millionen Euro gespart werden könnten, die anderswo so dringend benötigt würden.

Die an diesem Abend zusätzlich geäußerten Befürchtungen, Niedersachsen solle so nur zum Transitland werden (wer profitiert denn davon?) oder: die A 39 komme sowieso, “weil Schröder bei VW mit drin hängt, und die wollen die Autobahn” und: dass die Lagerhaltung jetzt nicht mehr vor Ort, sondern auf Autobahnen stattfinde (ein Tribut an das Just-in-time-Produzieren) wird Zündstoff genug für eine Diskussion und ein “Argumente-Sammeln” liefern.

Aber weil die Aussage, wenn es die Autobahngegner nicht gäbe, könnte die Trasse schon im Jahr 2009 fertig sein, so falsch wie demagogisch sei – das belegte Steenblock eindeutig – planen die Veranstalter schon Ende des Monats ein nächstes Forum zum Thema in Uelzens Stadthalle. Um aufzuklären und um Bündnisse zu schmieden.

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