Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 23. August 2003

Zwei Jahrzehnte unnötig gelitten

Über den Sinn von Autobahnen

Zu den Äußerungen der Autobahngegner (AZ berichtete) — Hans Griebenow, Uelzen:

Die Äußerungen der Autobahngegner, besonders in den beiden Leserbriefen am letzten Wochenende, bieten Anlass, sich an die Zeit vor etwa 25 Jahren zu erinnern. Damals ist der Bau der Ortsumgehung Uelzen mit einer Flut von Prozessen verhindert worden. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde in einem Fall ein Planfeststellungsbeschluss auf entsprechende Klage vom Verwaltungsgericht aufgehoben, weil nicht hinreichend untersucht worden sei, ob die B 4 parallel zur Bundesbahnstrecke geführt werden kann. Ich enthalte mich einer Gerichtsschelte. Das alles hat dazu geführt, dass die Straßenbauverwaltung die Planungen abgebrochen hat, um die zur Verfügung stehenden Mittel sinnvoller Weise woanders zu verbauen. Die Folge war, dass die Ostringanlieger mehr als zwei Jahrzehnte unnötig zu leiden hatten.

Die damalige Prozessflut hat auch Blutopfer auf dem dicht befahrenen Ostring nach sich gezogen. Ich denke nur an das kleine Mädchen, das an der Einmündung Hambrocker Straße sein Leben gelassen hat. Die damaligen Prozesshansel werden sich daraus kein Gewissen gemacht haben, und hinsichtlich der Autobahn stehen die neuen Kläger bereits wieder in den Startlöchern. Dass Herr Wulff ein derartiges Verhalten beklagt hat, war mehr als angemessen, aber mit Sicherheit erfolglos. Die Einwohner von Kirchweyhe, Jelmstorf und Melbeck werden sich darauf einstellen müssen, dass sie ebenfalls die Verkehrsbelastungen noch mindestens 20 Jahre ertragen müssen. Der Bau von Ortsumgehungen gleichzeitig mit der Autobahnplanung wäre in finanzieller Hinsicht hanebüchen.

Zu dem scharfen Angriff gegen Herrn Wulff merke ich an, dass Leserbrief-Schreiberin Siebeneichner offenbar Mühe hat, die Begriffe Demokratie und Rechtsstaat auseinander zu halten, auf jeden Fall aber “Rechtsstaat” mit “Rechtsmittelstaat” verwechselt. Ihre disqualifizierende Äußerung ist deshalb nicht ernst zu nehmen.

Anders der Beitrag von Leserbrief-Schreiber Kobbeloer: Mit der Bildung, besonders mit der politischen Bildung ist es in diesem Lande tatsächlich nicht weit her. Sonst wüsste er, dass Herr Wulff keine Autobahnen baut. Wenn er für dieses Geld lieber eine Universität vor seiner Haustür haben möchte, muss er sich schon an Herrn Stolpe wenden.

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