Quelle: Allgemeine Zeitung Uelzen, 16. August 2003

Vor meiner Tür keine Autobahn

… aber gern Schule oder Uni

“Uelzener Brezen für die Bayern” Der Kurzbesuch des Landeschefs (AZ vom 12. August) — Michael Kobbeloer, Ebstorf (per E-Mail):

Anstatt vorbildhaft alle Ziele und Investitionen auf die kommende Wissensgesellschaft auszurichten und somit Bildung als Kernressource an die erste Stelle zu setzen, werden alte Ideale wie der Bau von Autobahnen aus dem Industriezeitalter wiederbelebt. Meinen Kindern werde ich später mal sagen müssen: “Im restlichen Europa hat man damals Schulen und Universitäten gebaut – in Deutschland Autobahnen”. Ob der Eindruck trügt, dass gerade viele Politiker, scheinbar auch unser neuer Ministerpräsident, die Wissensgesellschaft gar nicht wollen, weil sie uns dann nicht mehr für dumm verkaufen können? In einer Wissensgesellschaft brauchen wir Schulen und Hochschulen, Wissen braucht in erster Linie keine Autobahn – höchstens eine Datenautobahn und ohne Bildung keine Zukunft der Arbeit – keine neuen Arbeitsplätze.

Wer den Menschen immer noch die alten Ideologien andreht, ist feige und unverantwortlich zugleich. 2500 Lehrer auf der einen und Bildungskürzungen an Fachhochschulen und Universitäten, die auf jeden Fall kommen werden, auf der anderen Seite lassen die Waagschale wieder zurückpendeln, das Wahlversprechen “Mehr Geld für Bildung” wirkt somit obsolet. Mit Phrasen wie “… nicht vor meiner Haustür” sollen die Bürger dieser Region, die sich für die wahre Zukunft ihrer Kinder engagieren, scheinbar mundtot gemacht werden.

Vor meiner Haustür bauen Sie keine Autobahn, Herr Ministerpräsident, eine Schule oder Universität können Sie dort aber bereits ab morgen bauen.

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